Немецкий Спорт
06.09.2026 Читать источник
Синхронизация тела и сцены: Wincent Weiss о биометрии, самоконтроле и истинной цене концерта

В интервью GQ фронтмен Wincent Weiss раскрыл, как превращает двухчасовые шоу в высокоинтенсивные тренировки, используя данные Whoop для защиты голоса. Музыкант признался, что его главный отдых после гастролей начинается на трассе, а истинное удовлетворение он черпает не в статистике пульса, а в благодарности за внимание тысяч фанатов.
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Оригинальный контент
Wincent Weiss: “Nein zu sagen ist ein Schritt des Erwachsenwerdens”
Wincent Weiss im GQ-Interview.
10.000 Schritte, 900 verbrannte Kalorien und ein Puls, der um Punkt 19:55 Uhr nach oben schießt – wer glaubt, eine Tour sei ein einziger Backstage-Rausch, hat noch nie die Biometrie eines Musikers auf der Bühne gesehen. Denn was das Publikum für eine mühelose Party hält, ist für den Körper schlichtweg ein zweistündiges Hochintensitäts-Workout im Scheinwerferlicht. Sänger Wincent Weiss geht seine Tour mit der Haltung eines Sportlers an: Er nutzt sein Whoop-Armband als Orientierung, zieht morgens verlässlich seine Gym-Einheit durch und verzichtet auf Tour bewusst auf das Cardio-Training. Im GQ-Interview verrät er, wie er seine Stimme schützt, wo gesundes Tracking aufhört und warum seine wichtigste Erholung nach der Show auf der Autobahn beginnt.
Wincent Weiss über seinen Touralltag
Wincent, Sie tragen Whoop auch auf der Bühne. Was zeigt das Armband in dem Moment, in dem 10.000 Menschen Ihren Namen rufen?
Wincent Weiss: Kurz vor der Show habe ich noch einen guten Ruhepuls. Ich bin gar nicht mehr so klassisch nervös, sondern habe eher eine positive Vorfreude. Aber man sieht in den Daten ganz genau den Sprung: Ich gehe um 20 Uhr auf die Bühne und um 19:55 Uhr schnellt der Puls auf einmal ordentlich nach oben. Die Vorfreude schlägt dann aber auf der Bühne schnell in pure Energie um.
Wie sieht ein Showabend in Zahlen genau aus?
Ich habe in der App nachgeschaut: In den zwei Stunden auf der Bühne komme ich so auf 10.000 Schritte und verbrenne zwischen 800 und 900 Kalorien. Das meiste ist in Zone 1, vielleicht 20 Minuten in Zone 2. Das ist auf jeden Fall eine gute Cardio-Einheit am Abend – ein sehr gutes Workout!
Das Konzert endet, das Licht geht aus, die Menge ist weg. Was passiert in Ihnen in diesem Moment – und wie lange dauert es, bis Sie wirklich runterkommen können?
Früher bin ich direkt in den Nightliner und mit der Crew in die nächste Stadt gefahren. Aber im Tourbus ist Runterkommen schwierig: Die Band ist da, die Crew ist da, man quatscht weiter und lässt den Abend Revue passieren. Wirklich zur Ruhe kommen, konnte ich im Team also meistens nicht so gut wie für mich allein.
Deswegen fahre ich mich jetzt selbst zum Hotel. Ich fahre nach der Show zwei, drei Stunden, höre die erste Stunde gar keine Musik und lasse den Abend Revue passieren. Das ist meine echte Ruhephase. Im Hotel heißt es dann nur noch: Duschen und dann pennen. Aber diese Runterkommzeit und Reflektionszeit habe ich beim Autofahren.
Welche Routine halten Sie auf Tour unter allen Umständen durch?
Egal in welcher fremden Stadt ich morgens aufwache: Ich checke nach dem Frühstück, wo das nächste Gym ist, und ziehe meine ein, zwei Stunden Fitnessstudio durch. Es gab noch keinen Tour-Tag, an dem das nicht geklappt hat.
Viel strikter bin ich beim Warm-up und Cool-down für die Stimme geworden. Früher bin ich einfach auf die Bühne und danach direkt ins Auto – nach vier, fünf Shows war ich heiser. Heute mache ich eine halbe Stunde vor der Show Aufwärmen und eine halbe Stunde danach Cool-down mit warmem Tee und Dehnen. Stimmbänder sind eben auch Muskeln.
Zwei Stunden Cardio unter Scheinwerfern
Wie sieht Ihr Training auf Tour genau aus?
Ich mache im Gym fast nur Krafttraining. Auf Cardio verzichte ich morgens bewusst, weil ich abends zwei Stunden meine Cardio-Einheit auf der Bühne habe. Wenn ich morgens auch noch laufen gehe, merke ich abends, dass zwei so intensive Einheiten am Tag echt heavy sind. Wenn spielfreie Tage anstehen, wie zum Beispiel Studio-Phasen, drehe ich das Herz-Kreislauf-Training im Workout aber auch gerne wieder hoch.
Schauen Sie beim Krafttraining streng auf Zahlen oder verlassen Sie sich auf Ihr Körpergefühl?
Beim Krafttraining tracke ich tatsächlich gar nichts. Wenn man das Körpergefühl kennt, merkt man, welchen Muskel man anreizen möchte und wann das Muskelversagen da ist. Ob das bei der sechsten oder neunten Wiederholung passiert, spüre ich einfach. Dafür brauche ich keine Stoppuhr und kein Notizbuch.
Was haben Ihnen Ihre Daten über sich selbst beigebracht, das Sie vorher nicht wussten?
Wie schlecht man schläft, wenn man eine lange Nacht hatte. Wenn du draufschaust und da steht 17 Prozent Erholung, sieht man erst, wie extrem sich so eine Nacht auf die Atemfrequenz und Herzfrequenz auswirkt. Das ist echt krass zu sehen.
Bei den Schritten hilft es mir auch: Im Gym spüre ich das Muskelversagen, aber beim normalen Spazieren oder auf der Bühne habe ich kein Gefühl dafür, ob ich 6.000 oder 15.000 Schritte gemacht habe. Da lerne ich durch das Armband viel dazu.
“Das meiste, was in der Gesellschaft Druck auslöst, ist der Vergleich”
Tracking kann auch stressen – wenn man morgens eine schlechte Recovery-Rate sieht und trotzdem auftreten muss.
Mich stresst das gar nicht. Tracking sollte in meinem Kopf nur eine Informationsquelle sein. Man darf sich keinen Druck machen: „Oh Gott, ich habe schlecht geschlafen, jetzt bin ich heute Abend nicht leistungsfähig.“ Tracking sollte nicht bestimmen, wie ich mich fühlen darf, sondern Informationen geben, wie ich mit dem Tag umgehen sollte.
Wir leben in einer Zeit, in der man alles messen und optimieren soll. Wo hört für Sie gesundes Tracking auf und wo fängt Selbstoptimierungsdruck an?
Gesund ist es, wenn man es für sich selbst macht, um die beste Version von sich selbst zu sein – und nicht für andere da draußen oder um besser als jemand anderes zu sein. Das meiste, was in der Gesellschaft Druck auslöst, ist der Vergleich. Sobald man diesen Wettbewerbsdruck rausnimmt und sich nur mit sich selbst vergleicht, bleibt es gesund.
Sie sagen, Sie wollen immer das Beste aus sich herausholen. Haben Sie die Grenze zwischen gesundem Ehrgeiz und schädlichem Druck schon einmal überschritten?
Klar, ich bin ein sehr ehrgeiziger Typ und habe mir super viel Druck im Leben gemacht. Früher gab es auch Druck von außen – von Plattenfirmen, Agenturen, Managements. Man jagt deren Zielen hinterher.
Heute mache ich fast alles alleine, habe keinen Verlag und kein großes Management mehr: Dieser Freiraum nimmt enorm viel Druck heraus. Gesunder Ehrgeiz ist für mich, wenn man ein Ziel vor Augen hat, das einem Energie gibt und auf dem Weg dorthin Spaß macht.
Wann haben Sie zum ersten Mal wirklich verstanden, dass Pause kein Versagen ist?
Das war so 2019 oder 2020. Da hatte ich 120 Shows im Jahr, TV-Aufzeichnungen und natürlich meine Alben. Ich war vielleicht 12 oder 13 Tage im ganzen Jahr zu Hause. Da habe ich gemerkt: Ich muss lernen, “Nein” zu sagen.
Nein zu sagen ist ein Schritt des Erwachsenwerdens. Der eigene Charakter definiert sich auch stark über die Dinge, die man eben nicht macht. Wenn du alles zusagst, kannst du die einzelnen Erfolge gar nicht mehr genießen. Man muss Pausen aktiv einplanen.
Fällt Ihnen das Absagen in der Praxis denn leicht?
Ich muss ehrlich sagen: Ich bin immer noch nicht perfekt darin. (lacht) Erst letzte Woche hatte ich eigentlich nur einen einzigen freien Tag auf der Tour. Dann rief Kai Pflaume an und fragte, ob ich spontan für zwei Stunden in seine TV-Show kommen wolle. Da ich eh in Hamburg war und mir die Arbeit mit ihm Spaß macht, habe ich zugesagt. Wenn dein Bauchgefühl sagt „Ich habe da Bock drauf“, dann ist das auch völlig in Ordnung. Man muss sich ja auch keine Zwangspausen auferlegen, wenn die Energie da ist.
Warum wahre Erholung manchmal nur 1.800 Schritte und echte Freunde braucht
Gibt es Momente auf Tour, in denen Sie mental nicht auf 100 Prozent sind – und trotzdem performen müssen?
Kein Mensch kann Punkt 20 Uhr jeden Tag die beste Laune haben. Natürlich passieren auch im Alltag Dinge, die einen beschäftigen.
Wenn ich mal vor der Bühne nicht im Modus bin, schaue ich mir auf Instagram die Nachrichten und Markierungen der Leute an, die vor der Halle stehen. Wenn man sieht, wie sie sich seit einem Jahr auf diese Show freuen, 300 Kilometer angereist sind und seit sechs Stunden warten, baut einen das enorm auf. Du gehst da raus, siehst strahlende Kindergesichter auf den Schultern ihrer Eltern und drei Generationen, die einfach eine gute Zeit haben. In dem Moment werden deine eigenen kleinen Probleme blitzartig ganz klein.
Whoop misst den Körper. Aber wie machen Sie innerliche Check-Ins – haben Sie dafür Rituale?
Genau dafür nutze ich meine Autofahrten nach den Shows. Wenn die Musik aus ist, kreisen meine Gedanken ganz automatisch.
Dabei merke ich zum Beispiel oft, wie sehr mir meine normale „Social Battery“ fehlt. Nach zwei, drei Wochen auf Tour brauche ich mal keine Gespräche über das Musikbusiness, sondern ein normales Abendessen mit echten Freunden, die nichts mit der Branche zu tun haben. Ich brauche Menschen um mich herum, bei denen ich einfach Mensch sein kann.
Was wissen Sie heute über sich selbst, das Sie mit 20 noch nicht wussten?
Das Schöne ist, dass man viel selbstbestimmter wird und auf sich selbst vertrauen kann. Früher habe ich jeden Song erst dem Label gezeigt und gefragt: „Ist das gut?“ Heute schreibe ich die Songs und weiß für mich selbst, welche ich gut finde und rausbringen möchte. Man lernt mit jedem Jahr mehr, wer man ist und was man mag.
Was ist das Erste, das Sie machen, wenn die Tour endet und Sie wieder zu Hause sind?
Schlafen und mich nicht bewegen! Nach meiner letzten Tour-Show war ich nachts um 2 Uhr zu Hause. Am nächsten Tag hatte ich 98 % Erholung – und ganze 1.800 Schritte auf der App (lacht). Ich habe wirklich einen ganz entspannten Tag gemacht: Nur im Bett gelegen, geschlafen, ein bisschen Soulfood gegessen und einen Film geschaut. Alles braucht seine Balance, das Leben ist eine schöne Wellenbewegung.
Sie stehen auf der Bühne, 10.000 Menschen rufen Ihren Namen. Was spüren Sie in diesem Moment, das kein Armband messen kann?
Dankbarkeit. Das Armband misst die Statistik im Körper, aber das Gefühl – wie viel Endorphine und Glückshormone da ausgeschüttet werden –, das kann man schwer messen. Zeit ist in der heutigen Zeit das größte Geschenk, das man machen kann. Wenn sich 10.000 Leute entscheiden, ihren Samstagabend mit uns zu verbringen, ist das für mich das Größte. In diesem Moment bin ich einfach nur dankbar, dass ich das alles machen darf.
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