Немецкий Общество
06.07.2026 Читать источник
Две 16-летние подруги спасли подростка из воды в Майне, несмотря на строгий запрет купания

Девушки, являющиеся активными волонтерами спасательной организации DLRG, вытащили из реки юношу, нарушившего правила безопасности. Их поступок вызвал восхищение у родителей и общественности, однако сами героини призывают всех помнить о смертельной опасности купания в судоходном Майне.
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Wertheim. Sarah Gehrig und Marisol Schad sind zwei sportliche junge Frauen, 16 Jahre alt und noch ein paar Tage Schülerinnen an der Sankt-Bernhard-Realschule in Bad Mergentheim. Bis vor kurzem steckten sie mitten in ihren Abschlussprüfungen, die sie inzwischen gemeistert haben. Doch die beiden Königshöferinnen vereint deutlich mehr als nur der Besuch der gleichen Klasse. Sarah und Marisol kennen sich von Kindesbeinen an, gingen in Königshofen in die selbe Schule und Klasse, lernten gemeinsam schwimmen, sind seit elf Jahren in der DLRG organisiert, legten inzwischen sogar die Prüfung zum Rettungsschwimmer in der Stufe Silber im vergangenen Jahr ab und trainieren zielstrebig für die Stufe Gold. Die beiden sind beste Freundinnen und teilen die Liebe zum Wasser und zum Wassersport.
Was liegt da näher, als den Prüfungsstress mit einem Besuch bei der Freundin in Eichel und einem Bad im Main abzuschütteln. Gemeinsam mit einem Kumpel ziehen sie am Samstagnachmittag, 20. Juni, an den Fluss. Unterhalb des alten Sportplatzes in Eichel suchen sich die Vier ein schattiges Plätzchen, schwimmen entspannt im erfrischenden Wasser, um dann weiter über alles Mögliche zu reden und Schule für einen Moment Schule sein zu lassen. Die Gefahr, die beim Baden im Main herrscht, schätzen die beiden jungen Frauen richtig ein. „Wir kennen wir uns mit offenen Gewässern und mit der Strömung aus. Wir trainieren sogar regelmäßig, beispielsweise im Tegernsee“, erzählt Sarah. Marisol nickt zustimmend.
„Sei keine Pussy“
An diesem Nachmittag macht es sich ein paar Meter weiter eine Truppe Jungs und junger Männer im Sand bequem. Als einige von ihnen ins Wasser gehen, ist der Spaß und das Gejohle groß. Immer wieder fahren Container- und Passagierschiffe vorbei. An jener Stelle in Eichel ist der Main etwa 60 Meter breit und weist in der Mitte eine nicht zu unterschätzende Strömung auf. Weil ein paar Jungs andere zum Schwimmen überreden, ist die Aufmerksamkeit von Sarah und Marisol geweckt. „Seid keine Pussy“, haben die im Wasser denen am Strand zugerufen“, erzählen die jungen Frauen. „Einer von ihnen hat zugegeben, dass er nicht schwimmen kann. Der ist nicht mit ins Wasser. Das war auch besser so“, erinnert sich Marisol. Fünf seien ins Wasser gegangen. „Einer von denen ist, ohne auf die anderen zu warten, einfach davongeschwommen bis an das Kreuzwertheimer Ufer und dort auf den Steinen sitzen geblieben“, fährt Sarah fort. Andere seien kurz vor der Mitte des Flusses umgekehrt. Zwei versuchten, das andere Ufer zu erreichen. „Dann haben wir gesehen, wie der eine davon immer wieder unter Wasser war. Der andere ist nur panisch neben ihm hergeschwommen und hat gerufen, dass der andere Junge keine Kraft mehr hat.“
Als Sarah die Situation im Beisein der Eltern schildert, macht sich Gänsehaut bei den Müttern breit. „Einer von denen hat auch nach Hilfe geschrien. Aber das hat sich so komisch angehört, dass wir erst nicht einschätzen konnten, ob es ernst gemeint ist“, so Marisol. Eine kurze Nachfrage bei den jungen Männern an Land ergibt: Die Situation ist wirklich ernst. Ein Junge wählt den Notruf. Sarah: „Ich habe gedacht, bis der Rettungswagen aus Wertheim kommt, ist der Junge doch ertrunken.“ Die junge Frau springt ohne zu zögern ins Wasser. Mit schnellen kräftigen Schwimmstößen erreicht sie den in der Mitte des Mains treibenden Jungen. „Ich habe dabei gar nichts gedacht. Das war einfach automatisch. Ich habe den Jungen dann, wie wir es bei der DLRG gelernt haben, unter die Achseln gefasst, um ihn abzuschleppen. Ein bisschen Angst hatte ich, dass sich der Junge an meinem Hals festklammert. Aber alles ging gut und ich habe noch zu ihm gesagt, dass ich ihm helfen werde und er keine Angst haben braucht. Man hat wirklich gemerkt, wie panisch er war und dass er echt keine Kraft mehr hatte.“
Stabile Seitenlage und erneut ins Wasser
Am Ufer angekommen, weist Sarah die anderen an, den Geretteten in die stabile Seitenlage zu legen und bei ihm zu bleiben, bis der Rettungsdienst kommt. Während Marisol nach dem Jungen schaut, ob dieser verwundet ist, kümmert sich Sarah um den Jungen, der am anderen Ufer sitzt. Denn der hat inzwischen laut gerufen, dass er es vom Kreuzwertheimer Ufer nicht mehr allein zurückschafft. Ohne nachzudenken schwimmen die beiden, nachdem ein Containerschiff vorbeigefahren war, mit Flossen und Schwimmbrettern hinüber und holen auch ihn wieder an das Eicheler Ufer. „Wir sind deshalb beide rüber geschwommen, weil wir nicht wussten, wie sich die Strömung in der Zwischenzeit verändert hat und falls der Junge Panik bekommt. Nicht, dass Sarah noch etwas passiert“, so Marisol. „Wir hatten Bedenken, dass der Junge leichtfertig doch versucht, einfach hinüber zu schwimmen.“ Gut ausgebildet, wie die beiden jungen Frauen sind, haben sie sich mit ihm unterhalten, um ihn abzulenken und seine Kräfte einzuschätzen, während er sich am Schwimmbrett festhält.
Die Gefahr beim Baden im Fluss
- Die Flussbreite des Mains auf Höhe des Wertheimer Stadtteils Eichel beträgt etwa 80 Meter. Das Wasser- und Schifffahrtsamt gibt die eigentliche Fahrrinne für die Schifffahrt mit 36 bis 40 Meter an.
- Der Main ist eine Bundeswasserstraße und stark befahren. Das Bundeswasserstraßengesetz verbietet das Schwimmen im Main in bestimmten Gefahrenbereichen strikt. Dazu gehören ein Mindestabstand von 100 Metern zu Brücken, Schleusen, Wehren, Häfen und Kraftwerken. Auch in der Nähe von Fähren und Schiffsanlegestellen ist das Schwimmen tabu.
- Der Schiffsverkehr darf nicht behindert werden. Schwimmer sind aufgrund ihrer geringen Sichtbarkeit leicht zu übersehen, insbesondere im toten Winkel großer Schiffe.
- In erlaubten Uferabschnitten ist das Schwimmen riskant . Die Strömung wird sehr oft unterschätzt, und vorbeifahrende Schiffe können gefährliche Sogwirkungen erzeugen.
- An den Flüssen gibt es keine Badeaufsichten . Auch wenn sich an manchen Uferabschnitten Rettungsmittel befinden, kann ein Notfall unbemerkt bleiben. Hilfe kommt dann meist zu spät.
- Durchaus lebensgefährlich ist das Springen von Brücken und Wehrstegen in den Main. Oft werden an den Brücken Gegenstände wie Einkaufswagen oder Fahrräder illegal versenkt. Auch die Fallhöhen von den bis zu neun Meter hohen Bauwerken kann gravierende Folgen haben.
- Ein Fluss ist kein sicherer Ort , um zu baden. Der Main hat keine Badewasserqualität und wird nicht regelmäßig beprobt. Keime und Bakterien können insbesondere bei offenen Wunden oder verschlucktem Wasser Entzündungen, Übelkeit und weitere Krankheitssymptome verursachen.
- Auf den Schutz von Natur und Tierwelt ist zu achten. In Naturschutzgebieten ist das Betreten geschützter Bereiche sowie das Anschwimmen und Betreten von Inseln untersagt und kann als Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Außerdem sollte zu Enten- und Schwanenfamilien ausreichend Abstand gehalten werden, da das Schutzverhalten der Elterntiere Schwimmer in Bedrängnis bringen kann.
- Schlauchboote gelten rechtlich als Wasserfahrzeuge und müssen entsprechend den Vorschriften der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung gekennzeichnet sein.
- Geraten Schwimmer in ernste Notlagen , sollten Passanten nicht zögern, die Notrufnummer 112 zu wählen. Die Wasserrettungsorganisationen DLRG und Wasserwacht stehen 24 Stunden in mobiler Bereitschaft – unabhängig von der Jahreszeit.
- Es wird allen Bürgern empfohlen, sich vor dem Betreten freier Gewässer über die allgemeinen Baderegeln der DLRG zu informieren.
Mittlerweile sind die Rettungskräfte des DRK und der Feuerwehr vor Ort. Die Polizei nahm die Angaben des geretteten erst 15-jährigen Jungen auf. „Ey, wir sind euch was schuldig“, rufen die Jungen Sarah und Marisol zu. „Alles gut“, ruft Sarah zurück und winkt ab. Rückblickend sagt sie: „Wir trainieren das jahrelang.“ Und Marisol ergänzt: „Wir machen das nicht, um irgendetwas zu bekommen, sondern weil wir gesehen haben, die brauchen Hilfe und wir können helfen. Dann helfen wir halt.“
Als die Jungen versorgt sind und abziehen, beschließen auch Sarah, Marisol, ihre Freundin und der Kumpel, ihre Sachen zu packen. Ein wenig zittrig ist es den beiden trotz aller Routine immer noch. Anstatt bei der Freundin zu übernachten, fahren die jungen Frauen nun doch nach Hause. „Gegen 17.30 Uhr kam die Nachricht von meiner Tochter. Ich habe dann die ganze Zeit damit gerechnet, dass uns die Rettungskräfte oder die Polizei anrufen und sagen, wo wir unsere Kinder abholen können. Aber da kam nichts“, wundert sich Daniela Gehrig.
Zivilcourage bewiesen
Marco Strecker ist ist Einsatzleiter bei der DLRG Königshofen. Dass er unheimlich stolz auf die beiden Frauen ist, kommt in jedem Satz zum Ausdruck. „Sarah und Marisol sind schon viele Jahre Mitglieder der DLRG und beteiligen sich sehr aktiv auch am gesellschaftlichen Leben. Uns freut es wirklich sehr, dass die jungen Leute so viel Zivilcourage bewiesen haben“, sagt er.
Genau das wollen auch die Eltern von Marisol und Sarah gewürdigt wissen. „Der Artikel in der Zeitung hat uns nicht gereicht. Denn da war nur die Rede von Passanten, die den Jungen gerettet haben. Wir als Eltern finden einfach, dass man große Achtung vor dem haben muss, was die zwei gemacht haben“, so Susanne Schad. Während sie das sagt, schauen Marisol und Sarah zu Boden. Eigentlich ist es den beiden gar nicht so recht, in den Fokus zu geraten. Dem Interview mit der Zeitung haben sie nur zugestimmt, weil sie auf die Gefahren im Main aufmerksam machen wollen und vor allem jedem Schwimmer nahelegen wollen, seine Kräfte nicht zu überschätzen. Und noch etwas wollen sie allen Eltern und Kindern mit auf den Weg geben: „Allein mit dem Ablegen des Seepferdchen-Schwimmabzeichens kann man noch nicht richtig schwimmen. Dazu gehört mehr.“
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