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06.07.2026 Читать источник
Впервые в мире идентифицированы останки 80 человек XVII–XVIII веков в Вольфенбюттеле

В музее Вольфенбюттеля открылась уникальная выставка, посвященная жизни и смерти жителей герцогского двора и купцов, чьи останки были точно идентифицированы благодаря архивным документам. Экспозиция демонстрирует результаты десятилетних исследований, раскрывающих уровень жизни, питание и причины смертности людей того времени.
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2015 wurden bei Bauarbeiten rund um die Hauptkirche in Wolfenbüttel 80 Gräber aus der Zeit zwischen 1650 und 1750 freigelegt. Mit Hilfe eines Begräbnisbuches aus dem Jahr 1747 und Untersuchungen an den Skeletten konnten weltweit erstmals in so großer Zahl so alte sterbliche Überreste konkreten Personen zugeordnet werden – Menschen, die als Bedienstete am herzoglichen Hof, als Kaufleute oder Ratsherren der Oberschichte angehörten. Nach zehn Jahren Forschungsarbeiten werden die Ergebnisse jetzt in der Ausstellung „Die Toten von Wolfenbüttel“ im Schloss Museum Wolfenbüttel präsentiert: Wie haben sie damals gelebt, wie haben sie sich ernährt, welche Krankheiten hatten sie, woran sind sie gestorben? Die Ausstellung ist noch bis zum 29. November geöffnet.
„Das Leben der Oberschicht in Wolfenbüttel war luxuriöser, als wir bisher dachten“, sagt Museumsleiterin Sandra Donner. Sie machten nach ihren Angaben in der Residenzstadt Wolfenbüttel rund fünf Prozent der Bevölkerung aus. In der Ausstellung sind üppige Wohnungseinrichtungen mit für die Zeit typischen Möbeln zu sehen. Grundlage dafür sind lange Nachlasslisten, die einst geführt wurden, um im Todesfall das Erbe zu regeln.
Auch hatten Angehörige der Oberschicht – darunter viele Beamte mit einem Universitätsstudium – Zugang zu aus anderen Ländern eingeführten Luxuswaren: Seide aus Venedig, Tuche aus England, Knöpfe aus Frankreich. Durch Untersuchungen der Gebisse der Toten konnte festgestellt werden, dass vor allem Frauen gerne Süßigkeiten wie Datteln oder Zuckerbrot aßen – und sich Karies ausbreitete. Zu sehen ist dies an ausgestellten Gebissen mit nur noch wenigen Zähnen. Auch einzelne Knochen aus den Gräbern werden präsentiert, mit Hinweis auf Krankheiten wie Rachitis, einem chronischen Vitamin-D-Mangel, der bei jedem zweiten Kinderskelett festgestellt wurde.
Das originale Begräbnisbuch der Hauptkirche Beatae Mariae Virginis von 1747.
Wohlstand führt nicht nur zur Zufriedenheit, sondern auch zu Streit. Das zeigen die ausgewerteten Gerichtsakten des Landesarchivs Wolfenbüttel. Da wird in Erbangelegenheiten prozessiert, um nicht beglichene Schuldforderungen gestritten, und nicht selten liegen die Nerven blank, wenn Unterstellungen, Beleidigungen bis hin zu Morddrohungen hinzukommen.
„Die Menschen sind älter geworden als angenommen“, sagt die Anthropologin Bettina Jungklaus, die mit der Historikerin Silke Wagener-Fimpel das Projekt geleitet hat. Jeder vierte untersuchte Erwachsene wurde älter als 60 Jahre. Fast alle der vor der Hauptkirche bestatteten Familien besaßen Gärten oder Ländereien, was die Ernährung sicherte und ihnen überdurchschnittliche Lebensbedingungen sicherte.
„Es wurde viel Geflügel gegessen, Männer und Frauen ernährten sich gleich“, sagt Jungklaus, die kürzlich in Wolfenbüttel das zweibändige Begleitbuch „Die Toten erzählen“ vorstellte. In einer früheren Ausgrabung im brandenburgischen Tasdorf konnte Jungklaus bei etwa gleich alten Skeletten feststellen, dass von der dortigen Landbevölkerung nur neun Prozent älter als 60 Jahre wurden. Dagegen war die Sterblichkeit der Säuglinge mit jeweils über 40 Prozent in Wolfenbüttel und Tasdorf etwa gleich – das Risiko, im ersten Lebensjahr zu sterben, war deutlich höher als im späten Mittelalter.
Doch auch Wohlstand konnte nicht verhindern, dass Frauen in Wolfenbüttel meist früher starben als ihre Männer, während oder als Folge einer Geburt – zehn bis zwölf Schwangerschaften waren keine Seltenheit. In der Ausstellung wird das an den Lebensgeschichten einzelner Personen deutlich. Präsentiert wird an einer Hörstation die Leichenpredigt für Anna Dorothea Widdeke. In zehn Ehejahren bekam sie fünf Kinder, von denen drei überlebten. Bei der sechsten Schwangerschaft sei anfangs laut Hofprediger Andreas Overbeck „zur frölichen Entbindung gute Hoffnung gewesen“, doch die werdende Mutter starb mit 28 Jahren im Kindbett, wobei das Kind im Mutterleib verblieb und Widdeke „unerlediget der Leibes-Frucht ihren Geist in der schweren Arbeit hat auffgeben müssen“. Ihr Mann, der herzogliche Kammersekretär Johann Heinrich Widdeke, heiratete kurz danach erneut und wurde 41 Jahre alt.
Ein Sarggriff aus den Erbbegräbnissen neben der Hauptkirche in Wolfenbüttel.
Beigaben in den Gräbern sind selten. Gezeigt werden ein kleines Jesus-Kreuz, ein Ohrring, eine Münze, ein Fingerhut und eine Stecknadel. Als Erklärung wird angenommen, dass man sich im Angesicht des Todes seinem Schöpfer gegenüber als demütig und bescheiden zeigen wollte. „Der Glaube spielte eine große Rolle, der angesichts von Kindersterblichkeit, Pest und Kriegen Zuversicht gab“, sagt Jungklaus.
Das Fazit von Henning Steinführer, Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: „Die Ergebnisse der Forschungen sind weit über Wolfenbüttel hinaus von Bedeutung.“
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