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05.09.2026 Читать источник
66-летний рабочий Норберт Пройс уходит с завода Karl Storz, но сохраняет вторую работу на стройке

После 35 лет работы на заводе и десятилетий подработки на стройке 66-летний Норберт Пройс вынужден завершить карьеру из-за пенсионного возраста. Несмотря на отсутствие возможности продлить контракт, мужчина сохраняет свою вторую работу и выражает удовлетворение жизнью, впервые за 25 лет планируя семейный отпуск.
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Vater von sieben Kindern bedauert, dass er in Rente muss: „Ich hätte gerne weitergemacht“
Es ist kurz nach 14.30 Uhr. Norbert Preuss hat Feierabend in der Verpackung des Tuttlinger Medizinherstellers Karl Storz. Doch nach Hause geht der 66-Jährige dann meistens nicht. Stattdessen fährt er weiter nach Seitingen-Oberflacht. Dort hilft er bei Kili-Bau aus, auf Minijob-Basis mit bis zu 600 Euro im Monat. „Der Chef ist ein Kumpel von mir“, erzählt er.
Müde? Erschöpft? Eigentlich nicht, meint Preuss. Er kennt es schlicht nicht anders. Zwei Jobs gleichzeitig gehören für ihn schon immer dazu.
Lange Zeit auf dem Bau, dann hat er sieben Jahre lang geputzt. Doch das war nicht seins. „Ich habe es meiner Frau zuliebe gemacht“, sagt er. Sie haben damals zusammen beim selben Reinigungs-Unternehmen gearbeitet. Dann ist er wieder zurück auf den Bau. „Mir gefällt es dort. Ich mag es, wenn man sieht, was man geschafft hat“, sagt der 66-Jährige.
Zwischen Ruhestand und Bau: zweites Standbein bleibt
Mit dieser Doppelbelastung ist Ende Oktober Schluss. Dann erreicht er mit 66 Jahren und vier Monaten die gesetzliche Altersgrenze. Bei Karl Storz hätte er gerne verlängert. Geht nicht. „Das finde ich schade“, sagt er. „Ich war gerne dort.“
Ganz ohne Arbeit wird er allerdings nicht dastehen. Sein zweites Standbein auf dem Bau bleibt ihm erhalten, mehr noch: Das will er ausweiten. Gleichzeitig weiß er, wie fordernd diese körperliche Arbeit ist. „Wenn ich mein ganzes Leben lang Vollzeit auf dem Bau geschafft hätte, sähe das anders aus“, sagt er. Dann ginge das nicht mehr.
Preuss arbeitet nebenher bei einem Bauunternehmen. Das will er auch nach seinem offiziellen Ruhestand fortführen. (Foto: Privat )
Geboren wurde Preuss in Stuttgart. Weil seine alleinerziehende Mutter sich nicht um ihn kümmern konnte, kam er als Kind ins Heim. Zunächst nach Korntal, später in das evangelische Kinderdorf in Tuttlingen, das heute Mutpol heißt.
Wendepunkt nach der Ausbildung
An seine Kindheit erinnert er sich ohne Bitterkeit. „Ich kann nicht klagen“, sagt er. Fußball habe er viel gespielt, gemeinsame Urlaube habe es ebenfalls gegeben.
Nach der Schule machte er auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Oberflacht eine Lehre. Dort lernte er, anzupacken, und das im positiven Sinne. Danach ging er in Donaueschingen auf die Schule und erreichte den Abschluss staatlich geprüfter Landwirt.
Dann kam ein Wendepunkt. Während seiner Bundeswehrzeit machte seine erste große Liebe Schluss, dazu kamen weitere private Probleme. „Da war mir eh alles egal“, erinnert er sich.
Warnung der Ärztin wird zum Wendepunkt auf dem Entzug
Er begann zu trinken. Trotzdem arbeitete er weiter – und zwar wie gewohnt gleich an mehreren Stellen. Bei Gebrüder Martin war er als Lagerist beschäftigt, nebenher half er auf dem Bauernhof aus. Jahre vergingen so, begleitet von Bier und Most.
Als er seinen Führerschein wegen der Trinkerei verlor, hörte er zunächst drei Monate lang auf. „Ich kann's ja“, sagte er sich damals. Doch der Lappen war wenig später erneut weg. Als er zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (Mmusste, umgangssprachlich Idiotentest genannt, hatte er getrunken.
Die Ärztin dort redete ihm ins Gewissen. „Wenn Sie so weitermachen, werden Sie nicht alt“, sagte sie. Oder er müsse mit Einschränkungen rechnen. Für Preuss wurden diese Sätze zum Weckruf. Er suchte die Suchtberatung auf und ging schließlich für die Entgiftung in eine geschlossene Einrichtung. „Ich wollte aufhören. Ich dachte mir, das ist ja kein Leben so.“
Das war 1992, seitdem ist er trocken.
Neuanfang bei Storz, Familie wächst auf sieben Kinder
1995 begann für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Er wechselte zu Karl Storz. Privat lief es gut, er lernte seine spätere Frau kennen. Sie brachte vier Kinder mit in die Ehe, das Paar bekam drei weitere.
Sieben Kinder, ein altes Bauernhaus in Neuhausen ob Eck und zwei Jobs – das prägte von da an seinen Alltag. Das Haus renovierte er weitgehend selbst. Platz für neun Menschen gab es dort, dazu einen großen Garten, um den er sich bis heute kümmert.
Zwischen zwei Jobs, doch Urlaub bleibt ein Traum
Auch sonst ist sein Tag durchgetaktet. Um 4.30 Uhr steht er auf. Nach Hauptjob und Nebenjob geht er mit seinem Hund Shiva spazieren. Freitags besucht er mit ihm den Hundeverein.
Warum er sich die zusätzliche Arbeit all die Jahre angetan hat? Natürlich habe das Geld geholfen, sagt er. Bei der Kinderschar sei das wichtig gewesen. Aber das war nicht alles. „Es hat mir auch immer Spaß gemacht.“
Trotzdem gab es Wünsche, die unerfüllt blieben. Mit der gesamten Familie in den Urlaub zu fahren, sei nie möglich gewesen. „Das hätte mir schon gefallen“, sagt er. Finanziell sei das einfach nicht drin gewesen – trotz zweier Jobs über Jahrzehnte hinweg.
Eigentlich ist er rundum zufrieden
Nun steht erstmals ein neuer Lebensabschnitt bevor. Anfang September fährt er mit seiner Frau in den Bayerischen Wald. Der erste gemeinsame Urlaub seit 25 Jahren. Damals waren sie zusammen in Holland – mit dem Motorrad.
Und sonst? Große Pläne, Sehnsüchte oder Träume, die er jetzt unbedingt verwirklichen möchte? Norbert Preuss zuckt mit den Schultern. „Ich bin mit meinem Leben zufrieden.“ Aber das bedauert er: Dass er im Oktober bei Karl Storz aufhören muss. „Mir hat's dort gut gefallen.“
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