Немецкий Технологии
03.09.2026 Читать источник
Немецкое стартап Talos запускает сеть спутников для отслеживания животных и прогнозирования катастроф
Мюнхенская компания Talos строит собственную группировку из пяти спутников для сбора данных с носимых передатчиков на животных, которые будут использоваться в сельском хозяйстве и системах раннего предупреждения о стихийных бедствиях. Бизнес-модель основана на продаже оборудования и подписке на аналитику, где поведенческие реакции зверей и птиц интерпретируются как индикаторы изменений окружающей среды.
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Tiere als Frühwarnsystem: Dieses deutsche Start-up verfolgt sie aus dem All
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Kühe melden Krankheiten, Vögel könnten vor Katastrophen warnen. Talos will daraus ein Geschäft machen – mit fünf Satelliten und einem Abo.
Tiger aus dem All beobachten, Rinderherden über Kontinente verfolgen, Vogelschwärme als Sensoren für Wetter und Naturkatastrophen nutzen: Das Münchner New-Space-Start-up Talos baut dafür ein eigenes Satellitennetz auf. Winzige Sender an Tieren liefern Standort- und Umweltdaten an Satelliten in rund 500 Kilometern Höhe. Was zunächst nach Hightech-Artenschutz klingt, soll zum Geschäftsmodell für Landwirtschaft, Forschung und später möglicherweise sogar Katastrophenschutz werden.
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Talos stößt damit in einen gewaltigen Zukunftsmarkt vor. Dienstleistungen rund um New Space könnten nach Berechnungen von Roland Berger von 408 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 1,7 Billionen Euro im Jahr 2040 wachsen.
Das Unternehmen, benannt nach einem Riesen der griechischen Mythologie, gehört zu den zahlreichen Firmen des New Space, die Geld über das All verdienen wollen. Allein der Markt für Dienstleistungen in diesem Bereich soll von 408 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 1,7 Billionen Euro im Jahr 2040 steigen, wie die Berater von Roland Berger errechnet haben.
„Wir können sehr viele Tierarten verfolgen, Vögel, Elefanten, Nashörner, Tiger“, sagt Firmenchef Langer. Einsatzgebiete seien zum Beispiel Naturparks, dort schütze das geplante System vor Wilderei. Auch große Rinderherden etwa in Südamerika, Neuseeland, Australien lassen sich überwachen, Kuhherden in den Alpen ebenfalls. Erdgestützte Systeme versagen dort, weil deren Reichweite begrenzt ist und immer Sende- und Empfangsmasten nötig sind. Gerade in kompliziertem Gelände oder auf weiten Flächen wären solche Systeme zu teuer.
Vom Kühlschrank zum Würfel: Wie Talos Raumfahrttechnik schrumpft
Talos baut auf dem Icarus-Projekt von der Max-Planck-Gesellschaft und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos auf. Es verfolgte von der Internationalen Raumstation ISS aus unter anderem Vögel von Alaska bis Patagonien oder Ziegen am Ätna auf Sizilien. Als Russland 2022 die Ukraine angriff, stoppte das Projekt. Für Langer und seine beiden Mitgründer Tony Bauer und Fabian Geissler bot sich eine Geschäftschance. Langer war beim Mess- und Sendetechnikunternehmen Rohde und Schwarz bereits mit dem Projekt betraut, Geissler und Langer beschäftigten sich an der TU Dresden damit.
„Das Icarus-System auf der ISS war für Forschung gut, ist aber viel zu teuer, um es kommerziell zu nutzen“, sagt Langer. „Deshalb haben wir alles drastisch verkleinert. Die Sende- und Empfangseinheit auf der ISS hatte die Größe eines Kühlschranks, unsere ist ein Würfel mit zehn Zentimetern Kantenlänge.“
Ein solcher Würfel liegt vor Langer auf dem Tisch im Büro des Münchner Technologiezentrums. Kaum zu glauben, dass dort eine selbst entwickelte Sende- und Empfangseinheit nebst Rechner drinsteckt, die die Signale von Tieren auf der Erde in 500 Kilometern Höhe aufnehmen, verarbeiten und dann zurückschicken kann. Der Würfel steckt in einem Satelliten, der mit Antriebseinheit und Solarzellen die Maße eines größeren Schuhkartons hat. An allen Ecken ragen Stäbe heraus – Antennen. Ein Muster steht ebenfalls vor Langer.
4,5 Gramm Technik sollen Kühe, Tiger und Vögel zu Datensendern machen
Einer der Sender, die an Tieren befestigt werden sollen, liegt neben dem Mustersatelliten. Er ist kaum größer als das oberste Glied eines menschlichen kleinen Fingers. Das selbst entwickelte Gerät liefert Informationen zum Standort, zu Temperatur, Feuchtigkeit, Beschleunigung und Helligkeit. Eine Batteriezelle ist ebenfalls enthalten. Mit dem Beschleunigungssensor lässt sich zum Beispiel ermitteln, ob ein Rind krank ist – wenn es langsamer läuft als üblich. Derzeit hat der Sender ein Gewicht von 4,5 Gramm, zehn Prozent weniger als die erste Version. Was wenig klingt, kann entscheidend sein. Und Langers Team arbeitet daran, dass die Sender nur noch ein Gramm wiegen.
Wenn Tiere zu Frühwarnsystemen für Katastrophen werden
Anders als viele Technologie-Start-ups setzt Talos nicht auf Geld von Investoren. „Wir finanzieren uns bisher über Förderprogramme, Wettbewerbe und Kundenaufträge“, sagt Langer. Ankerkunde ist die Max-Planck-Gesellschaft, die Interesse an den Wildtierdaten hat. „In einem ersten Schritt tracken wir Wildtiere“, sagt der Chef. „Im nächsten gehen wir die Landwirtschaft an. In einem dritten Schritt sehen wir ein großes Potenzial rund um die weiterführende Nutzung der gesammelten Daten.
“ Wenn ein Vogelschwarm durch den Golfstrom fliegt, liefert er Daten, die für Wettervorhersagen genutzt werden können, sagt Langer. „Tiere reagieren auf die Umwelt instinktiv, sie fliegen nicht in Regen, flüchten vor Bränden und auch vor Tsunamis, Erdbeben, Vulkanausbrüchen. Das können wir erfassen. Wir messen die Intelligenz der Tiere.“ Bisher sei das noch nicht in Echtzeit möglich.
„Wenn wir mit den Daten aber Katastrophen vorhersehen können, können wir unser Angebot dementsprechend vergrößern und zum Beispiel mehr Satelliten ins All schicken.“ Langer kann sich auch Anwendungsfälle vorstellen, die nur indirekt mit Tieren zu tun haben. „Wir könnten auch Daten des Internets der Dinge erfassen“, sagt der Firmenchef. „Zum Beispiel ließe sich sehen, ob ein Gatter geöffnet oder geschlossen ist oder ob ein Wasserspeicher ausreichend gefüllt ist, wenn diese jeweils mit Sensoren ausgestattet sind.“
Fünf Satelliten sollen die ganze Erde abdecken
Zunächst einmal muss Talos jetzt die Satelliten ins All bekommen. Ein Testsatellit fliegt seit November um die Erde. Im Mai startete der erste „richtige“ Satellit, Raven, mit einer Falcon-9-Rakete des US-Anbieters SpaceX. Er wird gerade eingerichtet und ist im Herbst einsatzfähig. Insgesamt sind fünf Satelliten vorgesehen. Der zweite soll spätestens im Frühjahr 2027 starten. Talos hat Platz auf Raketen der beiden deutschen Hersteller RFA aus Augsburg und Isar Aerospace aus München gebucht. Allerdings sind sie bisher nicht einsatzbereit. Und SpaceX hat nur wenig Platz für vergleichsweise kleine Satelliten wie Talos, die bei anderen Frachten zugeladen werden. Die Münchener hoffen jedenfalls, die letzten drei Satelliten im Juni oder Juli 2027 ins All zu schicken.
Ist die Konstellation einsatzbereit, deckt sie die gesamte Erde ab. „Die Satelliten werden von Pol zu Pol um die Erde fliegen, die Daten der vielen kleinen Sender wie ein Staubsauger aufsaugen und dann gebündelt an die Bodenstation liefern“, sagt Langer. Geld verdienen will das Unternehmen damit, die Sender in großer Menge zu verkaufen. Denn Talos stattet die Tiere nicht mit den Geräten aus. Das müssen die Kunden übernehmen.
Für die Verbindung zu den Satelliten und die Daten ist dann ein monatliches Abo geplant. Erste kommerzielle Pilotprojekte starten noch in diesem Spätsommer mit Bauern aus Deutschland und Österreich, die Rinderherden mit Sendern versehen wollen.
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Sender verkaufen, Daten abonnieren: So will Talos Geld verdienen
Das Geschäft wächst also langsam. Inzwischen ist Talos zum dritten Mal innerhalb des Technologiezentrums in größere Räume gezogen, weil neue Mitarbeiter eingestellt wurden. Ganz allein sind die derzeit knapp 20 Beschäftigten nicht mit ihrer Geschäftsidee: Konkurrenten sitzen in Frankreich, China und den USA, wobei die Amerikaner keine eigenen Satelliten nutzen, sondern fremde mieten. Langer ist aber sicher, dass ihr Modell funktioniert, unter anderem, weil die Kosten gering sind. Die Nachfrage ist da und mutet teils exotisch an. „Ein Kunde möchte Quallen an der Wasseroberfläche tracken.“ Quelle: Print-Ausgabe von Markt und MIttelstand September 2026
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