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12.08.2026 Читать источник
Карло Джорданетти: Swatch Art Peace Hotel в Шанхае объединяет художников из 60 стран

Руководитель Swatch Карло Джорданетти отметил 15-летие резиденции для художников в Шанхае, где творцы из 60 стран создают совместные проекты. В интервью он рассказал о важности отказа от эго и о том, как случайные встречи в резиденции приводят к неожиданным международным коллаборациям.
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Carlo Giordanetti im Interview über das Swatch Art Peace Hotel und das Zurückstecken von Egos.
Carlo Giordanetti ist ein höchstcharismatischer Gesprächspartner und mit seinem Arbeitgeber so verbunden, dass er üblicherweise gleich zwei Swatch-Uhren an seinen Handgelenken trägt. So auch, als wir ihn vor einigen Wochen in Venedig treffen, wo er seine zwei Uhren zum blauen Jackett und einem floral gemusterten Gucci-Schal gepaart hat. Giordanetti ist Mitglied der Swatch-Geschäftsleitung und so etwas wie das kreative Herz des Schweizer Uhrenherstellers. Er ist außerdem CEO des Swatch Art Peace Hotels, dessen 15-jähriges Jubiläum in Venedig gefeiert wird. Hinter dem Namen, der klingt wie eine Mischung aus kreativer Friedensbewegung und Tourismusunterkunft, verbirgt sich eine Künstler:innenresidenz in Shanghai, die Swatch seit 2011 auf dem Gelände des einstigen “Central Hotel” betreibt, welches 1894 erbaut wurde und damals das luxuriöseste Hotel der chinesischen Metropole war. Künstler:innen aus der ganzen Welt können sich bewerben, hier für drei bis sechs Monate zu leben und arbeiten; über 600 von ihnen aus 60 Ländern hat das Swatch Art Peace Hotel über die Jahre beherbergt.
Das Swatch Art Peace Hotel – Künstlerresidenz in Shanghai mit internationaler Ausstellung
Fünf davon wurden von Swatch eingeladen, in Venedig für einen Teil der Laufzeit der diesjährigen Kunst-Biennale in einer eigenen kleinen Ausstellung in den lange für die Öffentlichkeit verschlossenen Königlichen Gärten, den “Giardini Reali”, eigene Werke zu zeigen.
Unter dem Titel “Flora Fantastica” waren hier unter anderem die von der Decke bis zum Boden reichenden bedruckten Kupfer-, Stoff- und Papierbahnen, in denen die chinesische Künstlerin Hammer Chen sich mit Tod und Erneuerung auseinandersetzt. Oder die portraitgroßen Stickereien von Orangen des türkischen Künstlers Mustafa Boğa, die täuschend echt wie Gemälde aussehen. Oder Werke der Italienerin Stefania Orrù, die unter Verwendung von verschiedenen natürlichen Materialien und Pigmenten eindrucksvolle, vielschichtige Flächen erschafft, die ganze Geschichten erzählen.
Carlo Giordanetti kennt diese Arbeiten und ihre Erschaffenden sehr gut. Er reist selbst etwa alle fünf Wochen nach Shanghai, um sich ein Bild vom Leben und Treiben in der Künstler:innenresidenz zu machen, und bleibt mit vielen seiner Schützlinge auch darüberhinaus in Kontakt. “Man kann Künstler:innen nicht allein anhand ihrer Werke beurteilen. Man muss ihre Arbeitsweise verstehen”, ist er überzeugt. Im Gespräch erzählt Giordanetti, worauf es bei der Auswahl der Residents ankommt, wie er lernte, dass man das eigene Ego manchmal zurückstellen muss, und mit welchem Comicheld er Swatch vergleichen würde.
Carlo Giordanetti im Interview über das Swatch Art Peace Hotel und die Künstlerkooperation seiner Träume
VOGUE: Was hat Sie damals dazu bewegt, das Swatch Art Peace Hotel zu gründen – und warum ausgerechnet in Shanghai?
Carlo Giordanetti: Die Idee für das Swatch Art Peace Hotel stammt ursprünglich von Nicolas Hayek (Schweizer Unternehmer und Gründer Swatch Group, Anm. der Redaktion). Es ging um die Frage, wie wir den Wert von Swatch als Marke in einem Markt vermitteln können, in dem Wert oft vor allem über den Preis definiert wird. Swatch wollte dabei nie etwas anderes sein als das, was die Marke ausmacht: erschwinglich, nahbar und für alle zugänglich. Was uns jedoch von vielen anderen unterscheidet, ist unsere enge Verbindung zur Kunst. Seit Jahrzehnten geben wir Künstler:innen Raum, sich mit unseren Produkten auszudrücken und eigene Projekte zu realisieren. Genau darin sahen wir die Chance, insbesondere dem chinesischen Markt zu zeigen, dass für uns nicht allein das Materielle zählt, sondern Kreativität und kultureller Austausch. Das Projekt war von Anfang an international gedacht. Wir wollten Künstler:innen aus aller Welt nach China bringen und unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und damit auch etwas Neues entstehen lassen.
Natürlich hat das Zeit gebraucht. Shanghai ist eine unglaublich dynamische Stadt und zugleich ein anspruchsvoller Kunstmarkt. Da wir keine kommerzielle Institution sind und keine Kunst verkaufen, war unsere Rolle anfangs nicht leicht zu vermitteln. Inzwischen haben wir jedoch gezeigt, wofür wir stehen – etwa mit Projekten wie der aktuellen Ausstellung zur Biennale in Venedig. Der Großteil unserer Projekte findet aber in China statt. Wir haben einen großen Ausstellungsraum, in dem wir drei- oder viermal pro Jahr Ausstellungen umsetzen. Obwohl wir selbst dabei keine kommerziellen Interessen vertreten, entstehen ganz organisch Verbindungen zwischen den Artists in Residence und Galerien. Viele bauen sich dadurch langfristig ein Netzwerk und einen Markt in China und darüber hinaus auf. Genau das ist unsere Vision.
Suchen Sie bei den Artists in Residence auch gezielt nach Leuten, mit denen Sie für Swatch zusammenarbeiten können?
Wir sind offen und manchmal begegnen wir dabei Künstler:innen, die sehr “Swatch” sind – wegen ihres Stils, dem Einsatz von Farbe oder ihrer Experimentierfreude. Aber das ist nie unser Ziel. Inzwischen haben wir mehr als 620 Artists in Residence beherbergt, und gerade einmal sechs oder sieben von ihnen haben später tatsächlich ein Swatch-Uhrendesign entwickelt. Das ist nichts, was wir planen.
So wählt Swatch die Künstler:innen seiner Residency in Shanghai aus
Worauf achten Sie bei der Auswahl der Künstler:innen?
Vor allem suchen wir nach Menschen, die uns überraschen. Die etwas Eigenes, Anderes mitbringen und Emotionen in uns auslösen. Wir haben viele Bewerber:innen, die einen genauen Plan haben und bereits an einem guten Punkt ihrer Karriere sind. Manche sagen ganz offen: “Ich möchte nach Shanghai kommen, um in Ruhe dieses eine Projekt fertigzustellen.” Das ist absolut legitim, aber nicht unbedingt das, wonach wir suchen. Wahrscheinlich haben wir dadurch auch schon einige potenzielle große Namen verpasst. Aber darum geht es uns nicht.
Uns interessieren Persönlichkeiten, die bereit sind, sich als Teil einer Gemeinschaft zu engagieren. Im Swatch Art Peace Hotel leben und arbeiten zeitweise bis zu 18 Artists in Residence zusammen. Dafür braucht es Offenheit und die Bereitschaft, die eigene Komfortzone zu verlassen und jeden Tag mit 17 anderen kreativen Köpfen am Tisch zu sitzen.
… und Egos!
…und starken Persönlichkeiten und Egos! Deshalb braucht man bei der Auswahl ein gutes Gespür dafür, wer in so einem Umfeld funktionieren kann. Bis heute hatten wir damit großes Glück – oder vielleicht waren wir einfach ziemlich gut darin.
Gibt es Künstler:innen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Absolut. Eine von ihnen ist Hammer (Chen), die chinesische Künstlerin, die auch hier in Venedig ausstellt. Während ihrer Residency war sie die Seele jedes Abends und jedes Morgens – voller Energie, voller Ideen und immer bereit, Diskussionen anzustoßen.
Eine der Sachen, die uns von Anfang an wichtig waren, ist, bei Alter oder Herkunft keinerlei Grenzen zu setzen. Vor zwei Jahren hatten wir zum Beispiel einen rund 75-jährigen Künstler aus Skandinavien, der unter dem Künstlernamen Toto arbeitet. Er wurde für die anderen so etwas wie ein Onkel, ein Mentor, der sie mit der lokalen Szene vertraut machte, weil er sehr gut Chinesisch spricht. Vielleicht war seine eigene künstlerische Arbeit nicht die spektakulärste, aber als Mensch war er eine tragende Säule der Residency. Bis heute stehen wir in engem Kontakt.
Was mich persönlich besonders freut, ist es, wenn ich sehe, dass Künstler:innen, die sich vorher nie getroffen haben, gemeinsam neue Projekte entwickeln. Ein schönes Beispiel ist ein Schweizer Maler, der bei uns auf einen italienischen Schriftsteller und einen österreichischen Theaterregisseur traf. Ich brachte sie eher zufällig miteinander ins Gespräch, weil sich die Themen ihrer Arbeiten überschnitten. Daraus entstand schließlich eine intensive Zusammenarbeit – etwas, das wir nie geplant hatten. Als wir die Residency gegründet haben, wussten wir schließlich selbst noch nicht genau, wie man so etwas führt. Wir sind ganz im Swatch-Geist einfach hineingesprungen und haben unterwegs gelernt.
Was haben Sie durch die Arbeit mit den Künstler:innen über die Jahre gelernt?
Vor allem, das eigene Ego zurückzustellen. In diesem Umfeld geht das Ego der Künstler:innen vor. Und ich habe gelernt, zuzuhören. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis.
Es ist leicht, ein Werk auf den ersten Blick zu beurteilen. Wenn man sich jedoch Zeit nimmt und der Person dahinter zuhört, versteht man viel mehr. Es gibt Arbeiten, die mich ästhetisch gar nicht besonders ansprechen – die ich aber trotzdem schätzen gelernt habe, weil ich die Geschichte dahinter kenne, den Entstehungsprozess verstehe und weiß, was die Künstler:innen ausdrücken wollten. Das war eine riesige Lektion. Ich habe Kunst immer geliebt und definitiv eine gute Beziehung zu ihr gehabt, aber ich habe durch diese Arbeit erst verstanden, wie bedeutsam die Chance ist, einem oder einer Künstler:in wirklich zuhören zu können.
Swatch steht seit jeher für Optimismus und Verspieltheit. Welche Emotion suchen Menschen heute Ihrer Meinung nach im Design?
Ich glaube, das Konzept von einem positiven Vibe kommt immer noch an. Die Menschen, wir alle, haben generell Bedarf an ein bisschen positiver Energie. Design, Mode oder Accessoires können genau das vermitteln – allerdings nicht allein durch den Besitz eines Objekts. Es geht um etwas Tieferes, um ein Gefühl. Ich denke, die Leute suchen nach Dingen, die Freude schenken oder ein Lächeln auslösen – bei sich selbst oder bei einer Person, die man mag. Ein kleiner Funken Wärme.
Denken Sie, dass Menschen in Zeiten der Unsicherheit Designprodukte anders konsumieren?
Das lässt sich pauschal kaum beantworten. Dafür ist unsere Gesellschaft zu vielschichtig. Natürlich spielt die wirtschaftliche Situation eine Rolle, aber sie beeinflusst die Kaufentscheidungen nicht unbedingt so, wie man erwarten würde. Manche Menschen gönnen sich gerade in schwierigen Zeiten etwas, weil sie Trost oder Zuversicht suchen. Andere, die es sich ohnehin problemlos leisten könnten, konsumieren vielleicht sogar bewusster oder verzichten ganz. Es ist kompliziert.
Carlo Giordanetti über Swatchs Zusammenarbeit mit Künstler:innen – und den Coupmit Audemars Piguet
Die kürzliche Sonderkollektion an Taschenuhren, die Swatch zusammen mit dem Luxusuhrenhersteller Audemars Piguet herausgebracht hat, war ein riesiger Erfolg: Manche Leute campierten dafür tagelang; zum Verkaufsstart brach vielerorts Chaos aus, mehrere Filialen wurden vorsorglich geschlossen. Warum trifft diese Zusammenarbeit Ihrer Meinung nach einen Nerv?
Tut sie das? (lacht) Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen wäre dieses Projekt ohne die MoonSwatch wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen (eine Reihe an Uhr-Kooperationen zwischen Swatch und Omega; die erste wurde 2022 lanciert, Anmerkung der Redaktion). Die MoonSwatch hat eine neue Denkweise angestoßen und gezeigt, dass Kooperationen in dieser Form funktionieren können.
Zum anderen war die Idee, die Uhr vom Handgelenk zu lösen, ein kluger Schritt. Anfangs haben viele überrascht reagiert und gesagt: “Eine Uhr, die man nicht am Handgelenk trägt? Das interessiert mich nicht.” Aber genau darin liegt der Reiz. Wir leben in einer Zeit, in der Accessoires immer stärker zu spielerischen Ausdrucksmitteln werden und Freude bereiten sollen. Eine Uhr auf diese Weise neu zu denken, eröffnet völlig neue Möglichkeiten.
Gibt es einen Traumkooperationspartner, mit dem sie für Swatch gerne arbeiten würden?
Als Marke habe ich tatsächlich eine – aber die verrate ich lieber nicht. Schließlich wäre das ohnehin nicht allein meine Entscheidung. (lacht)
Was Künstler:innen betrifft, kann ich die Frage dagegen beantworten. Lange vor der MoonSwatch oder unserer Zusammenarbeit mit Audemars Piguet haben wir bereits mit Kreativen wie Vivienne Westwood oder Jeremy Scott gearbeitet. Diese Offenheit für unterschiedliche künstlerische Handschriften begleitet die Marke seit ihren Anfängen. Jedenfalls: Eine von David Hockney gestaltete Swatch wäre für mich ein echter Traum. (Das Interview wurde geführt, bevor David Hockney am 11.6. verstarb, Anmerkung der Redaktion.)
Was fühlt sich für Sie im Moment modern an?
Man selbst zu sein. Nicht nach den Regeln anderer zu spielen.
Wenn Swatch 2026 eine Persönlichkeit wäre – welche wäre es?
Ich wollte gerade "Carlo Giordanetti“ sagen – aber wir haben ja eben erst darüber gesprochen, das Ego außen vor zu lassen. (lacht) Ich würde sagen: Donald Duck.
Warum ausgerechnet Donald Duck?
Donald Duck ist ein bisschen trottelig, er macht nicht immer alles richtig, aber am Ende schafft er es doch irgendwie. Er ist eben nicht Mickey Mouse, der kleine Mr. Perfect, sondern angenehm unperfekt – und genau deshalb mögen ihn alle. Ich finde, Swatch hat sehr viel von Donald Duck.
Interessierte Künstler:innen können sich hier für eine Residency im Swatch Art Peace Hotel bewerben.
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