Немецкий Политика
01.09.2026 Читать источник
В Querfurt политический форум в средневековом бункере показал раскол электората: сторонники AfD бойкотируют дебаты, а критика правящей коалиции вызывает бурные аплодисменты
В ходе форума в крепости Кверфурт кандидат от AfD Ханс-Томас Тилльшнайдер столкнулся с массовым неприятием со стороны аудитории, в то время как критика правящей партии CDU вызвала одобрение гостей. Несмотря на прогнозы опросов о победе AfD, реальная динамика дискуссий в этом округе продемонстрировала глубокий разрыв между радикальными настроениями и готовностью к диалогу.
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Die weithin sichtbare Burg Querfurt gleicht mit ihren rohen, imposanten Mauern äußerlich einer Trutzburg. Man kann spekulieren, ob die Mitteldeutsche Zeitung ihr Wahlkreisforum gerade deshalb in den halboffenen Gewölbekeller der Bastion aus dem 15. Jahrhundert gelegt hat.
Denn der Verlauf dieses Forums trotzte den Umfragen, die die AfD bei rund 42 Prozent und die CDU 20 Punkte dahinter sehen. Und er machte deutlich, dass die Personalkonstellation im Wahlkreis 32 eine besonders pikante im Wahlland Sachsen-Anhalt ist.
Ein besonderer Wahlkreis
Wären die etwa hundert Gäste auf den einem Amphitheater nachempfundenen Rängen repräsentativ für das Wahlverhalten, hätte der für die Linken antretende Pfarrer Andreas Tschurn schon gewonnen. Und der von den AfD-Anheizern als „größter Rechtsintellektuelle des Landes“ titulierte Programmschreiber Hans-Thomas Tillschneider landete einstellig. Nur die letzte Reihe applaudierte ihm regelmäßig. Zu offenen Diskussionen ist offenbar die AfD-Anhängerschaft weniger zu mobilisieren als zu Protestübungen oder zum Kreuz auf dem Stimmzettel.
Der Wahlkreis Querfurt zwischen Halle im Osten, der Naumburger Weingegend im Süden und den früheren Kalibergbaugebieten im Westen ist mit rund 46.000 Wahlberechtigten zahlenmäßig einer der größten in Sachsen-Anhalt. Das Direktmandat gewann 2021 die Lehrerin Eva Feußner für die CDU. Sie avancierte im selben Jahr zur Bildungsministerin im Kabinett Haseloff, wurde aber 2025 wegen Kritik an ihrer Amtsführung – auch aus den eigenen Reihen – entlassen.
Die AfD plant bereits siegessicher den Gewinn aller 41 Wahlkreise. Erst recht den in Querfurt mit ihrem radikalen Chefideologen Hans-Thomas Tillschneider. Zu ihm passt eine weitere Marke des Wahlkreises, von der die meisten Wähler aber vermutlich nichts wissen: Auf dem Weg in die Stadt Querfurt kommt man durch ein verschlafenes Dörfchen mit dem Namen Schnellroda. Gut versteckt im alten Rittergut sitzt hier mit dem Antaios-Verlag von Götz Kubitschek die zentrale Denkfabrik der Neuen Rechten in der Bundesrepublik. Das Dorf wirbt am Ortseingang mit der Tafel „Noch freie Kindergartenplätze!“
Viel Applaus für einen Pfarrer als Linkskandidaten
Der Verlauf der Diskussion bestätigte einerseits die verbreitete Konstellation „Alle gegen die AfD“. Auch die Juristin Eva Hoyer (FDP) und Susanne Otto für die (Grünen) zeigten ungeachtet ihrer Chancenlosigkeit Profil. Andererseits ist es vor allem Pfarrer Andreas Tschurn, der auffällt. Es bedarf tatsächlich einiger Fantasie, sich den 41‑Jährigen in der Bikerjacke auf der Kanzel seiner Friedenskirche im 30 Kilometer entfernten Leuna vorzustellen. Die rote Rückenaufschrift „Linke Sachsen-Anhalt“ identifiziert ihn aber eindeutig. Schon eine halbe Stunde vor Beginn darf er eine Menge Hände schütteln und Personen umarmen.
Der leidenschaftliche Motorradfahrer muss gar nicht viel Sensationelles sagen, er erreicht viele Menschen mit Empathie. Der Satz „Sachsen-Anhalt ist zu schön, um es den Rechtsextremisten zu überlassen“, erhält den längsten Beifall des Abends.
Sachsen-Anhalt ist zu schön, um es den Rechtsextremisten zu überlassen
Ähnlich seine Antwort auf die Frage, wie man das Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen könne: „Nur durch konsequenten Antifaschismus!“ Fachlich plädiert er für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und im Prinzip auch für Zukunftstechnologien, „mit denen man aber auch viel Scheiße anstellen kann“. Wieder viel Applaus.
Publikumsaufstand gegen Tillschneider
Die Veranstaltungsorganisatoren haben den parteilosen Linken Tschurn und Tillschneider an demselben Stehtisch mit einem Mikrofon platziert. Der Rechtsextreme Tillschneider macht sich mit einem Kugelschreiber Stichworte, hält die Energiewende für ein „planwirtschaftliches Projekt, das den Strompreis in die Höhe getrieben hat“, der öffentliche Personennahverkehr könne für ihn nur „Grundversorgung“ leisten, wo doch das Auto Normalität bedeute. Das alles kontrolliert, beinahe emotionslos vorgetragen.
Langen Beifall erhält die Grüne Susanne Otto, als sie Tillschneider kontert und die Integration von Flüchtlingskindern beibehalten will. Zwischen Tillschneider und Eva Feußner, die eher dem rechten Flügel der Union zugerechnet wird, kommt es zur Kontroverse, als es um die Landesfinanzen geht. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle IWH hatte errechnet, dass die Pläne der AfD den Haushalt mit 2,5 Milliarden Euro im Jahr zusätzlich belasten würden.
Feußner konterte die Einnahmerechnungen Tillschneiders und erhielt dafür so intensive Zustimmung von den Rängen, dass dessen Gegenrede im Lärm unterging. Was ihn danach nicht hinderte, angeblich schon lange auf den Wahlsieg der AfD wartende Unternehmer heraufzubeschwören: „Es wird hier eine Dynamik in Gang kommen, von der Sie nur träumen können!“
Gratiswürste retten Deutschland
Auf dem knapp zehn Kilometer entfernten Campingplatz Hermannseck, unweit des Fundortes der Himmelsscheibe von Nebra gelegen, kann man Wähler besuchen, die solchen diskursiven Veranstaltungen fernbleiben. „Das kann nicht so weitergehen – immer weniger Netto vom Brutto!“, schimpft Rico. Eigentlich kein harter Rechter und eigentlich kein Armer, denn er ist mit dem Wohnwagen hier Dauercamper. In der Plauderei steigt wie eine Fontäne plötzlich der Frust auf. „Was die 1990 mit uns gemacht haben!“ Kapitalismus sei Scheiße, lautet sein Fazit. An der bürgerfeindlichen und antisozialen Politik der Merz-Regierung sehe man das ja.
So ähnlich kann man es auch beim AfD-Familienfest auf dem „Festplatz“ aufschnappen, ein Unkrautacker am Stadtrand. „Wenn wir der AfD keine Chance geben, sind wir verloren“, sagt in sorgenvollem Ton eine Dame mittleren Alters ins Mikrofon, auf einem Motorroller mit Deutschlandfahne sitzend. Es ist ein italienisches Modell. „Das Land retten“, verspricht die AfD auf einem Plakat. Sie beginnt in Querfurt schon mit der Umsetzung ihres Versprechens, indem sie 1.400 Gratis-Bratwürste an die etwa 500 Besucher verteilt. Einsam dudelt der Lautsprecher erst „Heidi“ und verirrt sich dann zu „YMCA“.
Bibeln in Bundeswehr-Tarnlook
Wer satt ist, kann am Stand der „Christen in der AfD“ lernen, warum wahrhaft Fromme angeblich die AfD wählen. Neben Bibeln im Bundeswehr-Tarnlook liegt ein Flyer des Evangelikalen Thomas Schneider aus Aue im Erzgebirge, der die AfD-Agenda herunterbetet und vor einer Abschaffung der Glaubensfreiheit warnt. Der Standbetreuer weiß zwar nicht, was bei Matthäus 25 steht, aber Jesu Satz „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ hat er schon einmal gehört.
Auch andere Parteifreunde halten den Wahlkreis Querfurt für so wichtig, dass der AfD-Kreisverband Zwickau gleich mehrere Zeltstände aufgebaut hat. Ihren sächsischen Landesvorsitzenden Jörg Urban haben sie auch mitgebracht. Aber nicht ihm wird auf dem Platz von Kamerateams und sogar englischsprachigen Journalistinnen aufgelauert, sondern Tillschneider.
Pöbeleien kommen höchstens aus Autofenstern
Das BSW sei eine „im ganzen Wortsinn linke Sache“, erfährt man von ihm. „Ich glaube denen kein Wort“, verneint er jede Option einer Zusammenarbeit. „Die sind nur da, um uns Stimmen abzunehmen.“ Wenn er dann behaupten kann, die „Regenbogenideologie“ wolle „95 Prozent des Mindsets ändern“, wird er sogar etwas emotional. Erst recht, als er die „Magie“ und den „Zauber“ von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund beschreiben soll. „Ein ganz wunderbarer Mensch und Politiker!“
Weniger Hass als befürchtet im Wahlkampf
Es geht um sehr viel am 6. September in Sachsen-Anhalt. Und doch geht es im Wahlkampf insgesamt weniger verbissen und gehässig zu, wenn man ihn mit Erfahrungen aus anderen Bundesländern vergleicht.
„Es bleibt friedlich an den Ständen“, bestätigt auch Pfarrer Andreas Tschurn als Linkskandidat diesen Eindruck. „Pöbeleien kommen höchstens aus Autofenstern – und dann schnell weg!“
Die Burg Querfurt steht fest und trotzig über der Stadt. Der Wahlkampf darunter ist erstaunlich in Bewegung – und vielleicht weniger entschieden, als die Umfragen vermuten lassen.
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