Немецкий Правосудие
06.07.2026 Читать источник
В Германии открыт центр помощи жертвам торговли людьми, где бывшая проститутка Mira N. празднует выход из сексуального рабства
В Штутгарте открылся десятилетний центр «Hoffnungshaus», помогающий женщинам, вынужденным к проституции, и его руководитель покидает пост. Бывшая жертва «метода любовника» Mira N., которая три года назад смогла выбраться из сексуального рабства и наркотической зависимости, теперь строит новую жизнь с детьми.
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Mit 19 Jahren und ihrer einjährigen Tochter wurde Mira N. von Bulgarien nach Deutschland gelockt. Eigentlich wollte sie Geld für ihre Familie verdienen, aber dann war ihre Realität die Zwangsprostitution, Drogen und Gewalt. 2016, also im selben Jahr, wurde das Hoffnungshaus im Stuttgarter Leonhardsviertel eröffnet. Mitten im Rotlichtviertel finden Prostituierte dort seither einen sicheren Ort und Unterstützungsangebote. Das Hoffnungshaus feiert am Samstag zehnjähriges Jubiläum. Mira N. feiert seit drei Jahren jeden Tag - denn seitdem hat sie es aus der Prostitution rausgeschafft.
Mira wird zu Sex und Drogenkonsum gezwungen
Die Wege in die Prostitution sind verschieden, aber für die meisten ist die Ursache Geldnot, sagt Wilbirg Rossrucker. Sie ist die Leiterin des Hoffnungshauses Stuttgart. Bei der damals 19-jährigen Mira N. war das genauso: Ein Mann aus ihrer Heimat spielte ihr anfangs vor, dass er sie lieben würde und versprach ihr, viel Geld in Deutschland zu verdienen. Rossrucker spricht hier von der sogenannten Loverboy-Methode.
Der vermeintliche Geliebte von Mira N. entpuppte sich als Zuhälter. In Heilbronn und Stuttgart zwang er sie zum Sex mit Freiern. Von Liebe war ab da keine Rede mehr. Ihr Zuhälter habe ihr gesagt, sie müsse "Geld, Geld, Geld machen", erzählt Mira N.. Er zwang sie Drogen zu nehmen und Alkohol zu trinken: "Dann kannst du besser arbeiten, hat er zu mir gesagt". Die junge Frau wurde immer wieder zusammengeschlagen: "Wenn du weißt, nachher kriegst du wieder Schläge zu Hause, dann nimmst du wieder Drogen." Es war eine Zeit, in der Mira N. immer öfter Fluchtgedanken kamen. 2022 kam dann ihr zweites Kind zur Welt - seinen Vater kennt ihr Sohn bis heute nicht.
Eines Tages versucht sie es und flieht zu ihrer Familie nach Bulgarien. Ihre zwei Kinder wollte sie in Sicherheit zu den Großeltern bringen. "Nach einem Monat hat er mich wieder gefunden in Bulgarien", sagt Mira. Dann gab es wieder Schläge und sie blieb bei ihrem Zuhälter. Auch weil er ihr dann drohte: "Ich weiß, wo deine Mama lebt, ich kenne deine Kinder, ich töte alle."
Hoffnungshaus Stuttgart: Seit zehn Jahren ein sicherer Ort für Prostituierte
Erst vor drei Jahren, mit 26, hat Mira es aus der Prostitution geschafft. Sie hat bei der Polizei eine Anzeige gegen ihren Zuhälter gestellt. Sofort wurde sie aus ihrem Umfeld herausgeholt und in eine geheime Schutzwohnung gebracht. Die Leiterin des Hoffnungshauses, Wilbirg Rossrucker, hat schon viele Frauen begleitet, die aussteigen wollten. Die meisten seien aber immer wieder zurück in die Prostitution gerutscht: Eine Frau wurde dabei erwischt und verprügelt von ihrem Zuhälter. Dann hat sie ein Freier mit einem Messer fast umgebracht. Rossrucker erinnert sich an die Frau: "Sie saß völlig gebrochen da und hat immer gesagt, sie kann nicht mehr schlafen. Wenn sie die Augen zumacht, sieht sie ihn dauernd."
Deshalb gibt es im Rotlichtviertel in einem Eckhaus des Leonhardsviertels das Hoffnungshaus - ein Café für Prostituierte. Es ist ein sicherer Ort, denn Männer sind hier verboten, sagt Rossrucker. Hier gibt es Gesprächsangebote, kostenfreies Essen, Hygieneartikel und unterstützende Angebote. Ein Team von 17 Ehrenamtlichen unterstützt Rossrucker dabei. Sie ist seit der Gründung vor zehn Jahren die einzige Mitarbeiterin von damals, die noch dabei ist. Beim zehnjährigen Jubiläum wird sie allerdings verabschiedet und übergibt die Leitung an ihre Kollegin, die Sozialarbeiterin Alina Weißer. Diese sagt: "Unsere große Stärke ist, dass wir Zeit haben, um uns zu den Frauen zu setzen und dieses Beziehungsangebot zu machen, um sie im Gespräch zu ermutigen oder gemeinsam zu überlegen, was sie gerade brauchen."
Sex mit zehn verschiedenen Männern am Tag
Das Prostituiertenschutzgesetz wurde vor neun Jahren am 1. Juli eingeführt. Es besagt: "Prostitution ist in Deutschland zulässig - sofern sie freiwillig und von Erwachsenen ausgeübt wird." Dass Frauen sich freiwillig prostituieren, kann Mira N. sich nicht vorstellen: "Wenn du Sex mit einem Mann hast, weil du ihn liebst, dann ist das gut. Aber Sex mit zehn verschiedenen Männern am Tag, das ist schlecht."
Die Polizei teilt mit, dass in Stuttgart etwa 900 Frauen als Prostituierte gemeldet sind. Rossrucker vom Hoffnungshaus geht von einer hohen Dunkelziffer aus: Schätzungsweise seien es 4.000 Frauen und 300 Männern in Stuttgart, die sich prostituieren.
"Prostitution ist Gewalt"
Weniger als fünf Prozent der Prostituierten würden diesen Job freiwillig machen, sagt Rossrucker. Das seien lediglich Frauen, die im Dominabereich arbeiten und sich raussuchen können, welche Männer sie haben wollen. Für die restlichen 95 Prozent gilt ihrzufolge: "Prostitution ist Gewalt." Diese Gewalt habe sich normalisiert: Die Frauen im Hoffnungshaus hätten blaue Flecken, Würgemale, gebrochene Rippen.
Deshalb fordert Rossrucker das Nordische Modell, das beispielsweise in Schweden und Frankreich gilt. Dort machen sich Zuhälter, Bordellbesitzer und Freier strafbar - also alle, die den Kauf von sexuellen Dienstleistungen unterstützen. Das Hoffnungshaus feiert zwar zehnjähriges Jubiläum, aber "wir wünschen uns, dass es das Hoffnunghaus nicht mehr braucht", sagt Rossrucker. Das gehe allerdings nur, wenn die Gesellschaft endlich anerkenne, "dass man sexuellen Konsens nicht kaufen kann."
Raus aus dem gewohnten Umfeld - rein in ein neues Leben
"Bis vor drei Jahren konnte ich nicht alleine rausgehen", sagt Mira N. über ihre Zeit als Prostituierte: "Aber jetzt trage ich meinen Kopf wieder hoch - immer hoch. Weil hier kennt mich niemand. Nieman weiß, was ich schon gemacht habe." In Stuttgart und Heilbronn hatte sie als Prostituierte gearbeitet, jetzt wohnt sie im Ostalbkreis. Rossrucker weiß von Aussteigerinnen, die ein Bankkonto eröffnen wollten oder im Gerichtssaal waren und einem ehemaligen Freier gegenüber standen. Deshalb sei es so wichtig, aus dem bisherigen Umfeld rauszukommen.
Mira N. ist das gelungen. Ihr gehe es gut mit ihren zwei Kindern und ihrem Partner, sagt sie. Sie macht gerade ihren Deutschkurs und arbeitet in einem Reinigungssalon. Pläne für die Zukunft hat sie auch: "In ein paar Jahren will ich Koch werden oder eine Übersetzerin." Ihr Sohn ist im Kindergarten - er sagt immer: "Mama, ich will Doktor."
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