Немецкий Экономика
06.07.2026 Читать источник
Завод «Олимпия» в Вильгельмсхафене закрылся в 1992 году, оставив регион в долге

Производство офисной техники в Роффхаузене прекратило работу после многолетних забастовок, что привело к массовой безработице и экономическому кризису в Вильгельмсхафене. Бывшие сотрудники и профсоюзные активисты вспоминают о жестком трудовом конфликте, который не смог предотвратить банкротство предприятия.
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Wilhelmshaven/Roffhausen - 1992 war Schluss: Die Olympia-Werke in Roffhausen mussten schließen. Die Schließung hatte schon lange ihre Schatten geworfen – ihr waren Jahre eines intensiven Arbeitskampfes vorausgegangen. Doch 1992 gab es kein zurück mehr: Der Hersteller von Bürogeräten, zeitweise weltberühmt für seine Schreibmaschinen, musste sein 1946 in Roffhausen etabliertes Werk schließen. Der Olympia-Schock traf die Region. Für Wilhelmshaven, dessen Stadtgrenze nur 200 Meter vom Olympia-Werk entfernt liegt, war das Unternehmen ein wirtschaftliches Schwergewicht.
Das Olympia-Aus war in Wilhelmshaven ein enormer Einschnitt, der bis heute spürbar ist. Das wissen gerade diejenigen, die in der Zeit des Trubels voll dabei waren – Menschen deren Geschichten eng mit dem Unternehmen und damit mit der ganzen Region verwoben sind.
Der Museumsleiter und die Olympia-Familie
Peter Homfeldt war 36 Jahre bei Olympia in Roffhausen tätig. Seine Karriere begann kurz nach der Werksgründung 1953 und endete kurz vor der Werksschließung 1989. Mit fünfzehn Jahren begann er dort seine Ausbildung zum Feinmechaniker. Von da an steig er im Unternehmen auf, am Ende war er im Marketing. Heute führt er regelmäßig Gäste im Olympia-Museum auf dem ehemaligen Werksgelände umher und macht die Unternehmensgeschichte wieder lebendig.
Bis in die70er befand sich das Unternehmen auf einem Höhenflug. Zur Glanzzeit waren rund 12.000 Menschen dort beschäftigt. Die Mitarbeiter kamen von überall her, ein großer Teil allerdings aus Wilhelmshaven. „Olympia hätte zeitweise noch mehr Leute beschäftigen können“, sagt Peter Homfeldt. Als Arbeitgeber war das Unternehmen überaus gefragt.
Und die Macht des Unternehmens war nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle. Die Belegschaft verstand sich als Familie, erzählt Homfeldt. Der Zusammenhalt unter den „Olympianern“ sei stets eng gewesen, auch in Krisenzeiten.
Mit dem Ende ist also nicht nur eine Wirtschaftsmacht weggebrochen, sondern auch ein Stück Indentität. Bis heute halten viele in Vereinen und durch Ehemaligentreffen diese Identität ein Stück weit am Leben. Und Peter Homfeldt selbst hält im Olympia-Museum die Erinnerung an die Olympia-Familie lebendig.
Der Gewerkschaftschef und der intensive Arbeitskampf
Das Ende zeichnete sich schon Jahre vor dem eigentlichen Olympia-Aus ab, da sich auch Hartmut Tammen-Henke sicher. Aber der langjährige Geschäftsführer der IG Metall in Wilhelmshaven glaubt auch: Es hätte nicht so kommen müssen. Im Betrieb habe man Entwicklungen verschlafen, während die Belegschaft viele Ideen hatte. „Man hätte die Ideen der Menschen aufgreifen können“, sagt der Gewerkschafter – dann hätte die Geschichte von Olympia ganz anders aussehen können.
Statttdessen aber: das Ende. Ein Ende, dem ein langer Arbeitskampf vorangegangen ist. Hartmut Tammen-Henke war als Gewerkschafter mittendrin. „Man musste dabei kreativ werden“, sagt Hartmut Tammen-Henke. Ein Streik wäre damals rechtlich nicht möglich gewesen, also mussten andere Wege her. Es gab Großkundgebungen mit Bühnenprogramm, ein Theaterstück und einen Piratensender. Der Arbeitskampf fand aber auch außerhalb der Grenzen von Wilhelmshaven und Roffhausen statt: Mit Mahnwachen und Demonstrationen im gesamten Bundesgebiet suchten die Olympianer Aufmerksamkeit für ihr Anliegen.
Der Musiker und der kreative Protest
Ein prominenter – zumindest regional-prominenter – Unterstützer des Arbeitskampfes war der Musiker Gerd Brandt. Er hat die kreative Seite des Arbeitskampfes mitgetragen. „Ich habe damals viele Solidaritätskonzerte für die Olympianer gespielt“, erinnert er sich. Eine bewegte und aufregende Zeit sei es gewesen. Vor tausenden Menschen hat er auf dem Rathausplatz gespielt – und sogar einen Song für den Arbeitskampf geschrieben. Aufgenommen hat Gerd Brandt das Stück aber nie – heute kann man es nicht mehr hören.
Der Betriebsrat und das Nachspiel vom Olympia-Aus
Allen Arbeitskämpfen zum Trotz ist das Olympia-Aus gekommen. „Die ganze Region stand hinter dem Arbeitskampf“, sagt Werner Ahrens, ab 1986 Mitglied im Betriebsrat von Olympia. Der Rückhalt hatte laut Ahrens Gründe: Die Gemeinde Schortens, auf deren Gebiet sich das Gelände befand, wurde durch Olympia wohlhabend. Wilhelmshaven selbst konnte zwar keine Steuern kassieren, trotzdem war das Werk auch hier ein enormer Wirtschaftsfaktor. Der Großteil der Beschäftigten kam aus der Jadestadt. Das Werk sorgte in Wilhelmshaven für Beschäftigung und Kaufkraft.
Nach dem Ende hat Werner Ahrens die Arbeitsloseninitiative in Wilhelmshaven gegründet und war dort lange als Sozialberater tätig. Er hat die Folgen mitbekommen: hohe Arbeitslosigkeit, gesunkene Kaufkraft, eine Abwanderung aus der Region. Dass es in Wilhelmshaven bis heute viele Langzeitarbeitslose gibt, hat nach Einschätzung von Ahrens mit Olympia zu tun.
Die Gewerkschafterin und die sozialen Folgen der Schließung
Einen Grund, warum Olympia als Arbeitgeber so bedeutend war, nennt Evelyn Gerdes, die als Gewerkschaftssekretärin Teil des Arbeitskampfes war und vorher im Olympia-Werk in Leer gearbeitet hat: Die meisten Menschen bei Olympia waren keine Fachkräfte, die trotzdem gut bezahlt wurden. Gerdes selbst etwa ist eigentlich gelernte Bäckereifachverkäuferin, doch nach der Ausbildung war es für sie schwer, in ihrem Bereich eine Anstellung zu finden. Bei Olympia dagegen gab es Arbeit. Und sie betont noch einen anderen Aspekt: Ein nicht unwesentlicher Teil der Belegschaft bestand aus Frauen. Das Ende von Olympia bedeutete deshalb auch eine hohe Frauen-Arbeitslosigkeit.
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