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12.08.2026 Читать источник
В церкви в саксонском городе Хорбург вновь открыли средневековую статую Мадонны мастера из Наумбурга

Друзья и местные жители восстановили доступ к уникальному произведению искусства XII века, которое было случайно обнаружено в стене алтаря в 1930 году. Теперь скульптура, созданная известным мастером, снова доступна для посетителей в обновленной церкви, где также представлены современные художественные проекты.
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Kultur auf dem Land
Ein Meisterwerk im Saalekreis: die Madonna von Horburg
Ganz große Weltschätze finden sich auch ganz in der Nähe, beispielsweise im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Dort steht in einer Dorfkirche ein Kunstwerk von europäischem Rang: die Horburger Madonna. Geschaffen wurde sie vom berühmten Naumburger Meister, der den Naumburger Dom zum Unesco-Weltkulturerbe erhoben hat. Im Mittelalter lockte die Marienstatue Massen an, weil sie angeblich echte Tränen weinte. Nach der Reformation ging sie beinahe verloren. Nun präsentiert der Freundeskreis Horburger Madonna e.V. das Kunstwerk auf neuartige Weise.
Am besten erreicht man Horburg – ein idyllischer Ortsteil von Leuna – direkt über die Autobahn A9. Nach der Abfahrt am Möbelhaus Ikea landet man nur wenige Minuten später auf einer von üppigen Wiesen gesäumten Pflasterstraße. Hier heben schottische Hochlandrinder kurz ihre Köpfe, um dann gelassen weiterzugrasen. Und schon steht der Fremde in der kleinen Marienkirche im Ortskern und schaut auf die Madonna an der Kirchenwand.
Das außergewöhnlich bedeutende Kunstwerk stammt aus der berühmten Werkstatt des Naumburger Meisters. Um das Jahr 1250 erschaffen, besitzt die Figur ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der Region. Nach ihr wurde auch ein Verein benannt, "weil wir sie einfach wieder gemeinsam mit der Kirchgemeinde mehr ins öffentliche Bewusstsein rücken wollen", erklärt Klaus Rudolph, engagiertes Gründungsmitglied im Freundeskreis Horburger Madonna e.V. Dabei würden sie sich nicht nur an Christen richten, sondern an alle, die an Kunst und Geschichte interessiert seien.
Horburg wurde im Mittelalter zum Pilgerort
Die Geschichte der Madonna ist ebenso faszinierend wie rätselhaft. Kurz nach ihrer Aufstellung in der damals noch romanischen Kirche geschah angeblich ein Wunder: Genau am 8. September, dem Geburtstag der Jungfrau Maria, liefen der steinernen Figur plötzlich echte Tränen übers Gesicht. Für die wundersüchtigen Menschen des Mittelalters war dies eine absolute Sensation.
Der Bischof von Merseburg reagierte prompt und machte Horburg offiziell zum Wallfahrtsort. Die Pilgerströme wurden zu einer enormen Einnahmequelle für die Region. Mit den eingenommenen Wallfahrtsgeldern konnte im Jahr 1333 sogar ein komplettes Krankenhaus in Merseburg gebaut werden. Und auch die Marienkirche erhielt durch den Bauboom ihr gotisches Erscheinungsbild. Bis heute zeugen das traditionelle Zwiebelfest und eine aktive Pilgerstation auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela von dieser glanzvollen Epoche.
Mit der Reformation sank das Ansehen der Madonna
Mit dem Einzug von Martin Luther und der Reformation im Jahr 1536 änderte sich das Schicksal der Madonna radikal. Die Bilder- und Heiligenverehrung war fortan passé, Maria wurde nicht mehr als Himmelskönigin, sondern lediglich als Vorbild für den Glauben betrachtet. Mit den evangelischen Pfarrern kam auch die Wende, beschreibt Klaus Rudolph: "Einer der ersten evangelischen Pfarrer sagte: 'Mensch, die Maria verbringt ja keine Wunder mehr, erstaunlicherweise." So wurde es still um die Horburger Madonna.
Und Maria, es wurde still um sie. Auch um unsere Maria, unsere Madonna. Es wurde still um sie.
Klaus Rudolph, Freundeskreis Horburger Madonna e.V.
Es kam noch schlimmer: Die einstige Kostbarkeit wurde aus der Kirche verbannt, in den Kirchgarten gestellt und schließlich in sechs Teile zerschlagen. Ende des 19. Jahrhunderts schien die Madonna endgültig spurlos verschwunden zu sein.
Sensationelle Entdeckung in der kleinen Kirche
Erst knapp 100 Jahre nach ihrem Verschwinden tauchte das Meisterwerk im Jahr 1930 bei einer Kirchensanierung durch reinen Zufall wieder auf: Sie war eingemauert in einem Altartisch. Klaus Rudolph zeigt die historische Fundstelle hinter dem hölzernen Altar: "Stellen Sie sich das vor wie eine Plakette, nicht ein ganzer Kopf. Eine Plakette, das war x-mal übermalt mit Farbe, wie so ein Relief", beschreibt Rudolph die damalige Situation. "Da hieß es immer, das sei angeblich der Kopf der Madonna. Sagte man, wusste man nicht genau." Dann sei der damalige Pfarrer zum Bauleiter der Sanierung 1930 gegangen und habe auf die eingemauerte Skulptur hingewiesen.
Dass die Figur tatsächlich aus der Werkstatt des Naumburger Meisters stammt, wurde bei der anschließenden Restaurierung im Jahr 1931 zweifelsfrei bewiesen. Kunsthistorische Merkmale wie die typischen Gewandfalten, eine markante Brosche und der sogenannte Kegelstumpfhals – den man auch von den weltberühmten Stifterfiguren Uta und Eckehardt im Naumburger Dom kennt – lieferten den klaren Beweis.
Ein künstlerisches Kleinod in Sachsen-Anhalt
Weiter restauriert oder gar künstlich ergänzt werden soll die Madonna im Original allerdings nicht. Das Werk wird bewusst in seinem historischen Fundzustand präsentiert – auch wenn markante Teile für immer fehlen: "Der Kopf des Kindes ist trotz langen Suchens nicht gefunden worden", nennt Rudolph ein Beispiel. Auch ein Arm der Maria sei beschädigt und vom damaligen Restaurator nach heutigen Maßstäben nur unzureichend wiederhergestellt worden.
Da die Madonna nach der Reformation in sechs Teile zerschlagen und jahrzehntelang im feuchten Erdreich des Kirchgartens sowie als Baumaterial im Altar lag, kam es auch zu einem Verlust der Farbfassung: Im Mittelalter war die Skulptur prachtvoll bunt bemalt. Durch die lange Verwitterung und das spätere Überkalken im Altartisch ist diese Farbschicht fast vollständig verlorengegangen. Der nackte, helle Sandstein liegt frei. Eine Besonderheit aber gibt es: Das Gesicht der Madonna ist trotz der Zerstörung erstaunlich gut erhalten. Es zeigt die typisch edlen, leicht melancholischen und tiefgründigen Gesichtszüge, für die die Menschen im 13. Jahrhundert den Naumburger Meister verehrten.
Das ist für Horburg ein Kleinod und mit dem kann man auch Marketing machen, das sollte man auch tun, um die Attraktivität eben auch wirklich zu erhöhen und die Leute zu begeistern und vielleicht auch wieder in die Kirche zu locken.
Ronald Schönbrot, Gemeinderat-Vorsitzender
Glaskunst und moderne Ausstellung zur Madonna
Während eine moderne 3D-Animation in einer Ausstellung den Besuchern bald zeigen soll, wie die Madonna in ihrer vollen Pracht einmal ausgesehen haben könnte, hängt das fehlerhafte Original ungeschützt mitten in der Kirche. Direkt daneben strahlt ein Fenster, das der renommierte Glaskünstler Jochem Poensgen kurz vor seinem Tod für die Kirche schuf. Ronald Schönbrot, der Vorsitzende der Kirchgemeinde, freut sich über den Aufwind und plant bereits die nächsten Schritte: "Die große Präsentation wird stattfinden", freut er sich. Die historische Decke soll wieder eingesetzt werden ebenso wie der moderne Fensterzyklus. "Und dann ist erstmal das Geld alle", so Schönbrot.
Der Freundeskreis Horburger Madonna hat sich nicht nur gegründet, um das historische Gebäude baulich wieder flottzumachen. Es geht um viel mehr: um regionale Identität und ein neues, ehrliches Heimatgefühl, das die Menschen vor Ort selbst erschaffen – ganz unabhängig von parteipolitischen Versprechen. Für Ronald Schönbrot ist das Projekt eine Herzensangelegenheit mit großem Potenzial. Die Menschen seien nämlich auch abseits der großen Feiertage eingeladen, "sich zusammenzufinden und zu bestaunen, was wir eigentlich für Schätze haben."
Für die Horburger ist die Madonna auch identitätsstiftend. Ein Stück weltberühmte Heimat mitten im kleinen Ort. Das Zwiebelfest übrigens wird seit dem 13. Jahrhundert gefeiert, die Madonna schaut nun wieder zu. Auch wenn sie – mit oder ohne Zwiebeln – sicher nicht wieder weinen wird.
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