Немецкий Медицина
05.09.2026 Читать источник
Руководитель Amgen в Австрии: разработка новых лекарств — это марафон, требующий коллективных усилий

Директор Amgen Österreich Джордж Тусимис заявил, что создание инновационных терапий требует десятилетий исследований и тесного сотрудничества всех секторов общества. Компания подчеркивает свою миссию по переводу научных открытий в эффективные методы лечения онкологических и сердечно-сосудистых заболеваний для пациентов.
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Fortschritt ist kein Sprint, sondern ein Marathon
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Herr Tousimis, wenn Sie jemandem außerhalb der Gesundheitsbranche erklären müssten, wofür Amgen steht, was würden Sie sagen?
Amgen hat eine klare Mission: Wissenschaft in Therapien zu übersetzen, die das Leben von Patient:innen verbessern. Dafür nutzen wir Biotechnologie, um Krankheitsmechanismen besser zu verstehen und gezielt dort anzusetzen, wo Krankheiten entstehen. Unsere Forschung konzentriert sich auf Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronisch-entzündliche und seltene Erkrankungen. So unterschiedlich diese Krankheitsbilder sind, sie haben eines gemeinsam: Sie beeinflussen das Leben von Patient:innen massiv und erfordern neue Behandlungsmöglichkeiten.
Dahinter stehen jahrelange Forschung und Entwicklung, hohe Investitionen und vor allem ein langer Atem. Viele Ansätze scheitern – von 10 Wirkstoffen, die es nach der Laborarbeit endlich in die klinischen Studien schaffen, schafft es gerade mal einer tatsächlich bis zur Zulassung durch die Behörden. Es braucht oft Jahre, um überhaupt wirklich zu verstehen, ob aus einer Idee tatsächlich ein Medikament werden kann. Aber das gehört zu unserer täglichen Arbeit dazu. Fortschritt entsteht nur, weil Menschen bereit sind, immer wieder neu hinzusehen, weiterzumachen und trotz vieler Rückschläge nicht aufzugeben.
Apropos weitermachen: Was macht ein Biotech-Unternehmen heute anders als noch vor 20 Jahren?
Wir können heute schneller als noch vor einigen Jahren Lösungen für Patient:innen entwickeln und dabei wesentlich präziser vorgehen. Moderne Technologien wie Genforschung und künstliche Intelligenz helfen uns, Krankheitsmechanismen und die dahinterliegende Genetik besser zu verstehen. Vor 20 Jahren hat es über 10 Mio. Euro und mehrere Monate gedauert, um den genetischen „Bauplan“ eines Menschen darzustellen. Heute kostet es 500 Euro und dauert 1–2 Tage. Das ist ein fast unvorstellbarer biotechnologischer Fortschritt, durch den wir viel besser erklären können, warum jemand an einer bestimmten Erkrankung leidet oder auf ein Medikament anders reagiert. KI hilft uns heute, Eiweiße, aus denen viele moderne Medikamente bestehen, schneller, besser und passgenauer zu planen und zu „bauen“ als noch vor wenigen Jahren. Auch weil man die riesengroßen Datenmengen, die bei der Entwicklung eines Medikaments anfallen, viel schneller bearbeiten kann.
Diese Beispiele und noch viele andere verbessern nicht nur die individuellen Behandlungsergebnisse von Patient:innen, sondern erhöhen auch die Effizienz des Gesundheitssystems. Für Patient:innen bedeutet das vor allem neue Perspektiven dort, wo die Medizin früher an ihre Grenzen gestoßen ist. Wir können Zusammenhänge erkennen, die früher kaum sichtbar waren. Aber Technologie allein entwickelt keine bessere Medizin. Die entscheidenden Fähigkeiten bleiben wissenschaftliche Neugier und menschliches Einfühlungsvermögen. Denn: Am Ende behandeln wir keine Daten, sondern Menschen.
»Wir können Zusammenhänge erkennen, die früher kaum sichtbar waren, aber Technologie allein entwickelt keine bessere Medizin, die entscheidenden Fähigkeiten bleiben wissenschaftliche Neugier und menschliches Einfühlungsvermögen.«
George Tousimis
Geschäftsführer Amgen
Unternehmen sprechen gerne davon, wie innovativ sie sind. Was bedeutet Innovation für Sie?
Für mich ist Innovation relevant, wenn sie ein echtes Problem besser löst als bisher und einen spürbaren Unterschied für Patient:innen macht. Hinter jeder neuen Therapie stehen oft mehr als zehn Jahre Forschung und Entwicklung sowie hohe wissenschaftliche und regulatorische Anforderungen. Gerade deshalb sind erfolgreiche Innovationen so wertvoll: Sie schaffen neue Behandlungsmöglichkeiten und können Menschen ein längeres, gesünderes und selbstbestimmteres Leben ermöglichen.
Dabei verstehen wir Innovation bewusst breit – von neuen Wirkstoffen bis hin zu Biosimilars, die bewährte Therapien für mehr Menschen zugänglich machen. Innovation sollte daher nicht nur als Kostenfaktor, sondern vor allem als Investition betrachtet werden. Eine aktuelle europäische Analyse des WifOR Institute zeigt, dass jeder in innovative Arzneimittel investierte Euro einen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen von 5,67 Euro schafft. In den untersuchten Therapiegebieten konnten europaweit rund 20,9 Millionen Krankenhaustage vermieden werden.
Auch klinische Forschung stärkt den Standort Österreich unmittelbar: Jeder investierte Euro erzeugt einen zusätzlichen Euro an gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung, und jeder Arbeitsplatz in diesem Bereich schafft nahezu einen weiteren Arbeitsplatz. Wer medizinische Innovation voranbringen will, muss über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinausdenken. Deshalb engagieren wir uns in der FOPI, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich, um gemeinsam bessere Rahmenbedingungen für Forschung, Innovation und den raschen Zugang zu neuen Therapien zu schaffen. Denn es geht um die Frage: Will Österreich medizinischen Fortschritt aktiv mitgestalten oder anderen Standorten das Feld überlassen?
Sie sagen selbst: Die Medizin macht enorme Fortschritte. Warum fühlt sich dieser Fortschritt für viele trotzdem oft langsam an?
Fortschritt entsteht nicht über Nacht. Aber er verändert Leben über Jahrzehnte. Ein Beispiel sind Patient:innen mit schweren Krebserkrankungen, für die moderne Therapien heute Behandlungserfolge ermöglichen, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar waren. Was früher oft nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung bedeutete, kann heute in einzelnen Fällen zu langfristiger Krankheitskontrolle oder sogar dem kompletten Verschwinden des Krebses führen.
Wir sind überzeugt, dass ein tieferes Verständnis von Krankheitsmechanismen der Schlüssel zu besseren Therapien ist. Diesen wissenschaftlichen Ansatz verfolgen wir seit über 45 Jahren. Die Entwicklung neuer Arzneimittel ist kein Sprint, sondern ein Marathon, der Ausdauer, Expertise und den Mut erfordert, neue Wege zu gehen. Eine Idee muss erforscht werden. Sie muss in klinischen Studien Sicherheit und Wirksamkeit zeigen. Behörden müssen sie bewerten. Ärzt:innen müssen sie in den Behandlungskontext einordnen können. Und schließlich muss auch der Zugang für Patient:innen funktionieren.
Österreich ist gut aufgestellt, sollte aber den Anspruch haben, auch künftig zu den europäischen Vorreitern beim Zugang zu medizinischen Innovationen zu zählen. Patient:innen sollen von wissenschaftlichem Fortschritt möglichst früh profitieren und nicht erst dann, wenn andere Länder bereits vorausgegangen sind. Das kann kein Akteur allein leisten. Forschung, medizinisches Personal, Spitäler, Sozialversicherung, Politik und Unternehmen müssen zusammenspielen. Fortschritt ist Mannschaftssport. Daher müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass Österreich auch langfristig vorne mitspielt.
Wenn Fortschritt Mannschaftssport ist: Was braucht gute Zusammenarbeit im Gesundheitssystem?
Gesundheitssysteme sind komplex, weil Menschen komplex sind. Eine Therapie ist ein wichtiger Teil, aber nie die ganze Lösung. Es geht auch um Diagnose, ärztliche und pharmazeutische Erfahrung, richtige Pflege und Betreuung der Patient:innen, Versorgungswege, Aufklärung, Daten, Vertrauen und manchmal schlicht darum, ob jemand zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtige Information und Therapie bekommt. Bei Amgen gilt: „Every patient, every time“.
Dahinter steht eine einfache, aber sehr anspruchsvolle Haltung: Medizinisches Personal und Patient:innen müssen sich darauf verlassen können, dass eine notwendige Therapie auch verfügbar ist. Das ist Teil unserer Verantwortung. Diese verlässliche Versorgung haben wir in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen – und sie bleibt auch für die Zukunft unser Anspruch.
Was macht Österreich aus Ihrer Sicht zu einem relevanten Standort für Amgen?
Österreich verfügt über eine hohe medizinische Kompetenz. Das ist eine starke Grundlage, aber kein Selbstläufer. Die Frage ist, ob es uns gelingt, diese Stärke auch in Zukunft zu sichern – und weiterzuentwickeln. Forschung muss dort stattfinden, wo medizinische Expertise vorhanden ist. Innovation muss den Weg in die Versorgung finden. Amgen ist ein globales Unternehmen, gleichzeitig aber seit über 30 Jahren tief im österreichischen Gesundheitswesen verankert.
Unser Team kennt die Bedürfnisse vor Ort, arbeitet eng mit Partnern zusammen und bringt internationale Innovationskraft nach Österreich. Wir arbeiten in klinischer Forschung, kooperieren mit medizinischen Zentren und versorgen mehr als 100.000 Menschen pro Jahr mit unseren Therapien. Diese Kombination aus globaler Wissenschaft und lokalem Verständnis ist für uns ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Die Welt verändert sich rasant. Was gibt einem Unternehmen heute Orientierung?
Orientierung entsteht nicht durch Gewissheit, sondern durch Klarheit darüber, wofür man steht. Technologien verändern sich, Rahmenbedingungen verändern sich, manchmal sogar die Erwartungen an Unternehmen. Was bleibt, ist das Commitment. Amgen investiert langfristig in Forschung und Entwicklung. Und: Wir haben großartige Kolleg:innen, die mit enormer Expertise und viel persönlichem Einsatz daran arbeiten, für Patient:innen einen Unterschied zu machen. Das ist unser stabiler Kompass in einer bewegten Zeit.
Zur Person
George Tousimis ist seit 2023 Geschäftsführer von Amgen Österreich. Er verfügt über mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung in der Pharma- und Gesundheitsbranche und ist seit 2016 für Amgen tätig. Vor seinem Wechsel nach Österreich verantwortete er als Country Director das Geschäft von Amgen in Griechenland und Zypern. Zuvor leitete er dort den Geschäftsbereich General Medicine. Seine langjährige Erfahrung in der Interessenvertretung bringt er auch in Österreich ein: Seit 2023 ist er Vizepräsident des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI).
George Tousimis hat Chemieingenieurwesen an der Technischen Universität Athen studiert, seine Diplomarbeit an der RWTH Aachen verfasst und einen MBA der ALBA Graduate Business School in Griechenland erworben.
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