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09.09.2026 Читать источник
Миллионы людей по всему миру испытывают ASMR: от тихого шепота до звука работающего фена

Исследование Ruhr-Universität Bochum показало, что около 30% населения реагируют на специфические звуки и визуальные стимулы приятным физическим онемением. Это явление, известное как ASMR, превратилось в многомиллиардную индустрию, где создатели контента зарабатывают на записи успокаивающих звуков и действий.
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Оригинальный контент
Wie unser Autor herausfand, dass der laute Föhn ihm beim Einschlafen hilft
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Die Sache ging vor einigen Jahren damit los, dass ich nach einem Winterspaziergang durchgefroren nach Hause kam und nur noch mit einer Wärmflasche ins Bett wollte. Leider war das Ding – die Wärmflasche, nicht das Bett – unauffindbar, was nicht weiter verwunderlich ist, weil ich ein unordentlicher Mensch bin. Aber halt auch ein aufgeweckter, und deswegen schnappte ich mir ersatzweise den Föhn aus dem Bad, platzierte ihn auf Fußhöhe auf dem Bett, schaltete ihn an, legte mich dazu und schloss die Augen. Es war dieser Moment, in dem mein altes Leben endete und mein neues begann, aber das wusste ich damals noch nicht. Erst mal fühlte es sich einfach nur angenehm an: der meine Knöchel umschmeichelnde warme Luftzug, das behagliche Summen des Elektromotors, das Kribbeln im Nacken, das Gefühl von Geborgenheit. Nach einer Weile änderte ich den Winkel des Föhns, damit sich auch Beine, Arme und Oberkörper aufwärmen konnten. Zehn Minuten später fühlte ich mich besser, schaltete den Föhn aus, nickte ein.
In den Wochen danach wiederholte sich das Geschehen, ohne dass ich mir viel dabei gedacht hätte: Mal war mir kalt, mal war ich melancholisch, mal musste eine Champions-League-Halbzeitpause überbrückt werden – ein bisschen anföhnen ging immer, das Kribbeln stellte sich zuverlässig ein und das anschließende Wohlgefühl auch. Der Föhn lag mittlerweile durchgehend auf dem Bett, ich brachte ihn nicht mehr ins Bad zurück, und wenn ich morgens meine Haare föhnte, tat ich es auf der Bettkante sitzend. Erst wollte ich es nicht wahrhaben, auch schämte ich mich ein bisschen – die Sache war doch arg skurril –, aber nach einem halben Jahr konnte ich es nicht mehr leugnen: Ich war süchtig. Ohne wärmenden Luftstrom fand ich abends keine Ruhe und konnte nicht einschlafen, und das, obwohl meine neue Leidenschaft auch Probleme mit sich brachte. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wie schaltet man im Halbschlaf einen Föhn aus, der sich nicht in Reichweite befindet? Soll man sich noch mal aufrichten? Also die Schlafposition aufgeben? Oder könnte man, nur vielleicht und wenn man sehr geschickt wäre, mit den Zehen … Sie ahnen es, ich bin mittlerweile so gut, dass ich fußgemalte Aquarelle nicht mehr ausschließen kann.
Gelegentlich wachte ich mit einem mulmigen Gefühl auf, wenn der Föhn am Morgen immer noch summte
Im Rückblick kann ich nicht mehr nachvollziehen, warum es so lange gedauert hat, bis ich herausfand, dass ich mich getäuscht hatte. Es brauchte ein Hotelzimmer ohne Föhn, es brauchte ein Youtube-Suchfeld, in das ich in einer schlaflosen Nacht »Föhngeräusche« eingab, es brauchte die Erfahrung, dass sich das wohlige Gefühl auch ohne Föhn einstellt, dass allein das Geräusch aus dem Laptop reicht, wobei auch das nicht ganz korrekt ist, denn in Wahrheit führte das Geräusch dazu, dass ich einen wärmenden Luftzug auf der Haut spürte, obwohl er gar nicht da war. Das Ganze ist zwei Jahre her. Meine Sucht habe ich längst akzeptiert und in ein abendliches Ritual umgewandelt, nur meine Methode habe ich verfeinert. Mein Föhnverschleiß war doch enorm – lieber Gruß an die Saturn-Filiale in der Münchner Innenstadt, jetzt wisst ihr Bescheid! –, außerdem wachte ich gelegentlich mit einem mulmigen Gefühl auf, wenn der Föhn am Morgen immer noch summte, vielleicht kennen Sie die traurige Geschichte mit der schlafenden Ingeborg Bachmann und der Zigarette, ich wollte jedenfalls nicht der schlafende Typ mit dem Föhn werden. Und deshalb kommt mein Remington Supercare 2200 nur noch an besonders trübsinnigen Tagen zum Einsatz, für alle anderen gibt es Youtube-Videos mit Föhn-, Heizlüfter- oder Ventilatorgeräuschen.
Wenn Sie mich nun für einen komischen Vogel halten, haben Sie recht, ich habe wirklich einige sonderbare Ticks – aber die Sache mit dem Föhn gehört nicht dazu. Denn ich stehe mit meiner Leidenschaft nicht allein da: Weltweit frönen Millionen Menschen einem Phänomen namens ASMR ( autonomous sensory meridian response ). Laut einer Studie der Ruhr-Universität Bochum reagieren etwa 30 Prozent der Menschen mit angenehmen Empfindungen auf sogenannte ASMR-Reize, die akustisch (leises Flüstern, Papierrascheln, Klopfen auf Gegenstände), visuell (ruhige Handbewegungen) oder taktil (sanftes Bürsten der Haare) sein können. Die einen spüren ein Kribbeln auf der Kopfhaut, das über den Nacken in den Schulterbereich wandert, andere fühlen ihren Puls langsamer werden, wieder andere sprechen von einem »Gehirnorgasmus«. Der Autor Alard von Kittlitz schreibt, er fühle sich »seltsam abgeklemmt von der Unmittelbarkeit des Erlebens«, vergleichbar dem Empfinden nach einer Narkose, »die Welt geht auf achtungsvollste Distanz«.
Heute gibt es Influencer und Stars, die fürstlich davon leben, sich vor laufender Kamera die Haare zu kämmen, auf Gegenstände zu klopfen oder mit einem Pinsel über ein High-End-Mikrofon zu streicheln.
Vor allem während der Corona-Pandemie, als alle in ihren Wohnungen festsaßen, hat sich eine skurrile ASMR-Parallelwelt herausgebildet, die längst zu einem Milliardenmarkt angeschwollen ist – 2021 war »ASMR« der dritthäufigste Suchbegriff auf Youtube. Heute gibt es Influencer und Stars, die fürstlich davon leben, sich vor laufender Kamera die Haare zu kämmen, auf Gegenstände zu klopfen oder mit einem Pinsel über ein High-End-Mikrofon zu streicheln. Die Youtuberin Naomi MacRae soll zur Multimillionärin geworden sein, indem sie vor laufender Kamera an Macarons, Schokoriegeln oder essbaren Haarbürsten knabberte. Viele ASMR-Fans sind süchtig nach Schmatz- und Kaugeräuschen, andere nach dem Rascheln von Chipstüten, dem Schneiden von Brot, dem Zerdrücken von Luftpolsterfolienbläschen, wieder andere nach Schlucklauten, Zähneknirschen, Kratzgeräuschen.
Die beruhigende Wirkung ist das Ergebnis einer bewussten Verschiebung von Aufmerksamkeit, sagt der Wahrnehmungspsychologe Claus-Christian Carbon, der das Phänomen seit vielen Jahren erforscht. »ASMR-Sounds werden im Alltag herausgefiltert, weil sie keine Informationen tragen.« Bei ASMR-Videos würden genau jene bedeutungslosen Geräusche inszeniert und in den Fokus gerückt. Dieser Bruch mit dem Gewohnten führe erst zu einer Art Erregung und bei ständiger Wiederholung zu Entspannung. Die Geräusche verlören ihren störenden Charakter, würden berechenbar, versprächen Sicherheit, Verlässlichkeit, Geborgenheit. Oft fühle man sich durch die Geräusche mit frühesten Kindheitserinnerungen verbunden, was ich bestätigen kann, weil ich endlich verstehe, wofür ich als Junge keine Erklärung hatte: Warum fieberte ich jedem Friseurbesuch entgegen? Warum stand ich so gern neben meiner Mutter am Herd, während die Dunstabzugshaube vor sich hin rauschte? Warum habe ich Staubsaugergeräusche noch nie als störend empfunden?
Heute bin ich davon überzeugt, dass wir jeden Tag ganz selbstverständlich Dinge tun, die viel absurder und vielleicht sogar bedrohlicher sind, als einem Föhn beim Summen zuzuhören, wir haben uns nur so sehr daran gewöhnt, dass es uns nicht mehr auffällt. Im Moment schlafe ich zu einem Video ein, das ein Paar zeigt, wie es im Wohnzimmer auf dem Boden sitzt. Sie föhnt abwechselnd sich selbst und ihn an, er hat eine Wolldecke um die Schultern und streichelt ihre nackten Knöchel, im Hintergrund flackert ein künstliches Kaminfeuer. Titel: Die beste Zeit des Tages ist, wenn ich mit meiner Frau den Föhn benutze! Länge: neun Stunden und fünf Minuten.
Tobias Haberl fand bei seinen Recherchen heraus, dass auch der von ihm so geschätzte Schriftsteller Clemens J. Setz ein ASMR-Fan ist. Der saß während des Studiums in der Bibliothek und tat so, als würde er lesen, in Wahrheit genoss er die Geräuschkulisse: das Umblättern von Seiten, das Kratzen von Bleistiften, das Geraschel vom Wühlen anderer in ihren Handtaschen.
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