Немецкий Спорт
08.09.2026 Читать источник
Профессиональный рыцарь Мануэль Циннекер: 31 лет на конюшне, десятки фильмов и команда из 40 человек

46-летний Мануэль Циннекер, известный как рыцарь Хаген из Дрездена, возглавляет профессиональную команду экстремальных шоу «Артиус», объединяющую 40 человек и 25 лошадей. Помимо участия в массовых сценах фильмов и телепередач, он проводит более 30 лет, демонстрируя зрителям опасные трюки на турнирах в Ульме.
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„Ihr Sackpfeifen“: Manuel macht lauter Sachen, die seine Mutter wahrscheinlich nicht gut findet
„Jubelt ihr faules Pack, macht eure Zähne auseinander, ihr Sackpfeifen. Jetzt kommt der größte Ritter, den ihr je zu Gesicht bekommen werdet!“ Hagen von Dresden reitet auf dem Turnierplatz der Ulmer Wilhelmsburg ein. Auf seinem Kopf sitzt ein schwarzer, gehörnter Helm, ein langer dunkler Schweif fällt ihm in den Rücken. In der Hand hält er eine Lanze, an deren Griff ein Totenkopf prangt. Dann wendet der dunkle Reiter sein Pferd, nimmt Anlauf und stößt seinen Kontrahenten aus dem Sattel. Ein Raunen geht durch die Zuschauer. Jubel bleibt aus. Für einen Moment sieht der Sturz zu echt aus.
Eine halbe Stunde zuvor war von dem finsteren Ritter noch nichts zu sehen. Hinter dem Turnierplatz steht „Manni“ Zinnecker, kein Hüne, eher kompakt gebaut, mit grauen Haaren und Dreitagebart. An der Absperrung neben ihm lehnt seine dunkle Lanze mit dem kleinen Totenkopf am Griff. Der gehörnte Helm liegt noch neben Colaflaschen und einer Kühlbox auf dem Boden. Zinnecker raucht eine Zigarette, hilft einem anderen Reiter beim Überziehen seines Kettenhemdes, erkundigt sich bei einem Knappen nach der Uhrzeit. An einem Wasserschlauch macht sich der 46-Jährige noch einmal die Haare nass, bevor es gleich losgeht. Dann folgen Brustharnisch und Schulterpanzer. „Bei 25 Grad und Sonnenschein dürfte es darunter ordentlich warm werden“, befürchtet „Manni“. Am Wichtigsten sei daher, immer konzentriert zu bleiben.
Manuel Zinnecker steigt seit 31 Jahren als Stuntshowreiter in den Sattel, sein spanischer Zuchthengst Prico arbeitet seit neun Jahren an dessen Seite. (Foto: Dennis Bacher )
Sturzrisiko gehört zum Alltag eines Stuntreiters
Hat der 46-Jährige Angst vor dem, was gleich kommt? Zinnecker schüttelt den Kopf. „Nein, mit Angst sollte man in keinen Beruf reingehen. Respekt gehört dazu, aber keine Angst.“ Dabei verletzte sich einer seiner Reiter vor nicht einmal 24 Stunden bei einem Sturz von dessen Pferd an der Schulter und riss sich die Bänder. Und auch „Manni“ selbst stürzte am ersten Turniertag hier auf der Wilhelmsburg mit seinem Pferd Prico. In einer Kurve waren die beiden etwas zu schnell unterwegs, weshalb der Hengst auf einem Stück Asphalt wegrutschte, wie „Manni“ berichtet. Es sei so ein bisschen wie beim Autorennen: „Mal geht es gut, mal nicht.“ Das Risiko gehöre zu seinem Beruf dazu, betont er. „Jeder Stuntreiter weiß zu jeder Zeit, dass ihm etwas passieren könnte.“
Seit 31 Jahren reitet Manuel Zinnecker professionell als Stuntshowreiter auf Mittelaltermärkten in ganz Europa. Nur einmal habe er sich dabei etwas gebrochen: das Handgelenk. „Nichts Wildes“, wie er sagt. „Platzwunden“, erzählt er weiter, „hat man immer mal, oder auch verschobene Kniescheiben und Zerrungen“. Stürze gehörten zwar zur Show dazu, Verletzungen aber nicht.
Auch ein Stuntreiter wird älter: „Meine Knie sind am Arsch“
Zinnecker selbst entschied sich deshalb irgendwann dafür, keine geplanten Stürze mehr übernehmen zu wollen. Nach rund 25 Jahren als Stuntreiter habe er damit aufgehört. „Meine Knie sind am Arsch. Das sollen Jüngere machen“, schmunzelt er. Auch bestimmte Tricks überlasse er inzwischen seinen Nachfolgern: Handstände auf dem galoppierenden Pferd oder das seitliche Hängen am Pferd gehören für ihn der Vergangenheit an.
Einige der Reiter aus seinem Team wirkten bereits bei größeren Filmproduktionen als Stuntmen oder Stuntdoubles mit. (Foto: Dennis Bacher )
Dass der 46-Jährige überhaupt einmal professioneller Reiter werden würde, war im Übrigen keineswegs selbstverständlich. Manuel Zinnecker wurde in Bochum geboren, wuchs in Duisburg auf und kommt aus einer Zirkusfamilie. Löwen, Ziegen, Kamele – Tiere gehörten zu seiner Kindheit dazu. Er selbst trat zunächst vor allem aber als Jongleur und Clown auf. „Ich hatte nie einen Gedanken daran verschwendet, irgendwann mit Pferden zu arbeiten.“
Vom zögerlichen Knappe zum jüngsten Turnierreiter
Sein Onkel ging bereits in den 90er-Jahren mit Ritterspielen und Turnieren auf Tournee. Und der fragte seinen Neffen eines Tages, ob dieser nicht mitkommen wolle. „Wenn überhaupt, wollte ich lieber Knappe machen, aber bloß kein Ritter sein“, erinnert sich Zinnecker heute. Sein Onkel überredete ihn trotzdem, aufs Pferd zu steigen. Mit 14 begann „Manni“ also zu reiten, mit 15 bestritt er sein erstes Ritterturnier. Für ihn sei irgendwann klar gewesen: „Das ist mein Ding. Pferde sind mein Ding.“
Heute leitet Manuel Zinnecker das Horse Stunt Team Arturius, mit dem er das ganze Jahr über professionelle und spektakuläre Rittershows anbietet - hoch zu Ross und am Boden. Fast 40 Menschen gehören zum Team, dazu 25 Pferde. Die Reiter kommen unter anderem aus Norwegen, Schweden, Frankreich und Tschechien. Einige arbeiten zusätzlich als Stuntmen oder Stuntdoubles beim Film.
„Respekt gehört dazu, aber keine Angst“, sagt Zinnecker. Er ritt sein erstes Turnier mit 15 Jahren. (Foto: Dennis Bacher )
Zwischen Filmset und Turnierplatz: Risiko ohne doppelten Boden
Auch Zinnecker selbst hat schon vor der Kamera gestanden, unter anderem bei den Verfilmungen von „Bibi und Tina“ sowie in Fernsehsendungen von Jörg Pilawa und Thomas Gottschalk. Kollegen aus seinem Team seien indes an größeren Filmproduktionen beteiligt gewesen, etwa an der Mittelalter-Komödie „Ritter aus Leidenschaft“ (2001). Für Zinnecker sei das Filmgeschäft allerdings eine andere Welt als das Ritterturnier vor Publikum. „Beim Film kann ein Stunt wiederholt oder geschnitten werden. Man kann Matratzen unterlegen“, erklärt der 46-Jährige. „Auf dem Turnierplatz gibt es keinen zweiten Versuch. Hier muss alles klappen.“
Mehr als 300 Shows kommen für Arturius nach eigenen Angaben jährlich zusammen, die meisten davon reitet Zinnecker selbst. Ein Teil seines Teams tritt zudem das ganze Jahr über im Erlebnispark Schloss Thun in der Nähe von Nürnberg auf, wo der 46-Jährige seit nunmehr 15 Jahren auch lebt. „Wer vor Publikum auftritt, muss auch ein Entertainer ein“, sagt Zinnecker über seinen Beruf. „Man ist eigentlich ein Schauspieler und schlüpft in eine Rolle.“
Vom Prinzen zum Bösewicht: Notgedrungener Rollenwechsel
„Manni“ Zinnecker selbst spielte früher zumeist den Prinzen in seinen Schaukämpfen. Heute ist er der Bösewicht. „Ab einem gewissen Alter nimmt einem das Publikum gewisse Rollen nicht mehr ab“, schmunzelt er. Die Geschichten für die Shows entwickle er größtenteils selbst. Manchmal würden Theaterleute beim Schreiben der Drehbücher helfen.
Gehörnter Helm und Totenkopf-Lanze: In seinem Kostüm als der böse Hagen von Dresden ist „Manni“ Zinnecker nicht wieder zu erkennen. (Foto: Dennis Bacher )
Und dann ist da noch Prico. Seit neun Jahren sind Pferd und Reiter ein eingespieltes Team. „Er weiß, was ich möchte und ich weiß, was er möchte“, sagt Zinnecker über seinen spanischen Zuchthengst. Auf seinen 17 Jahre alten Partner könne er sich zu 100 Prozent verlassen. „Die Pferde sind unsere Partner, unsere Kollegen.“ Deren Versorgung habe für Manuel Zinnecker daher Priorität: „Bevor ich eine Portion Pommes esse, guck ich erst mal, dass mein Pferd versorgt ist. Das ist klar.“
Sicherheitsfokus: Risiko auch für die Pferde?
Auch deshalb versucht das Team um Manuel Zinnecker, das Risiko für die Tiere bei den Schaukämpfen möglichst gering zu halten. Pferde seien generell weniger gefährdet als die Reiter, betont der 46-Jährige. Der Sturz mit Prico auf dem Asphalt am Vortag sei eine Seltenheit gewesen. „Viel mehr als das kann auch nicht passieren“, versichert er.
Dann ertönt die Fanfare. „Manni“ Zinnecker, der sich inzwischen komplett zu Hagen von Dresden verwandelt hat, besteigt sein Ross und galoppiert auf den Turnierplatz der Wilhelmsburg in Ulm. Für ihn ist dieser Ritt freilich kein einmaliger Ausflug ins Mittelalter, sondern sein Beruf. Seit 31 Jahren. Einen Bürojob könne er sich jedenfalls nicht vorstellen. „Ich bin damit aufgewachsen, das ist meine Berufung, mein Leben.“ Ein Stuntshowritter aus Leidenschaft eben.
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