Немецкий Общество
07.09.2026 Читать источник
Председатель школьного союза Бремена отказался от переизбрания, критикуя двухступенчатую систему образования

Ахим Кашуб не стал выдвигать свою кандидатуру на пост председателя Школьного руководства Бремена, сославшись на личные причины, однако подчеркнул необходимость реформы двухступенчатой системы для обеспечения равных возможностей. Несмотря на признание некоторых успехов в рамках программы по повышению качества, он продолжает критиковать нехватку ресурсов и отсутствие социальной смешанности в школах.
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Chef der Schulleitungsvereinigung Bremen: Kaschub tritt nicht mehr an
Achim Kaschub tritt nach vier Jahren als Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung Bremen bei der Vorstandswahl an diesem Montag nicht erneut an.
Kaschub sieht Fortschritte durch die Qualitätsoffensive und das Gutachten zum Schulkonsens, kritisiert aber weiterhin zu geringe Ressourcen und Investitionsstau.
Kaschub fordert eine Schule für alle zur Förderung der Chancengleichheit, betont die Bedeutung sozialer Durchmischung und sieht das zweigliedrige System kritisch.
Zur Person
Achim Kaschub (55) leitet die Oberschule an der Hermannsburg in Huchting, seit 2022 ist er Vorsitzender der Schulleitungsvereinigung.
Herr Kaschub, bei der Vorstandswahl der Schulleitungsvereinigung an diesem Montag wollen Sie nicht wieder für den Vorsitz kandidieren. Steht es so schlecht um die Bremer Bildungspolitik?
Achim Kaschub: Der Hauptgrund ist privat, wegen der Familie will ich ein bisschen kürzertreten. Und so schlecht steht es nicht mit der Bildung spolitik. Es sind ja auch ein paar Erfolge da. Es gibt eine Zielvorstellung, die wurde mit der Qualitätsoffensive vorgestellt. Es gibt ein Gutachten zum Schulkonsens. Insgesamt wird die Bildungspolitik jetzt strukturierter angegangen. Das würde ich tatsächlich Herrn Rackles (Anm. d. Red.: als SPD-Bildungssenator seit Oktober 2025 im Amt) zuschreiben, weil er priorisieren und Probleme erkennen kann.
Aber in den Bildungsrankings wirkt sich das bisher nicht aus. Sehen Sie eine Chance, dass Bremen mal den letzten Platz verlässt?
Solange es zu wenig Ressourcen gibt, können sich die Ergebnisse nicht verbessern. Das ist ganz simpel. Natürlich sind 60 Millionen im Jahr im Etat des Bildungsressorts (Anm. d. Red.: Gemeint ist der jährliche Betrag für das Schul- und Kitabauprogramm) viel zu wenig, das ist ja auch keine Frage. Wir haben immer noch 2,7 Milliarden Euro Investitionsstau in den Schule n.
Immerhin hat der Senator noch ein bisschen Geld rausgeholt. Rapide steigende Kosten im Assistenzbereich sollen ein Millionenloch verursacht haben.
Man wusste ganz genau, die Sozialassistenzen in den Schulen kosten im Jahr 50 Millionen. Und dann hat man im Haushalt einfach nur 27 Millionen genehmigt, damit der Haushalt passt. Bei chronischer Unterfinanzierung ist doch klar, dass immer wieder Löcher gestopft werden müssen. Wie mühsam das ist, das sehen wir jetzt wieder: erst 17 Millionen für den Vertretungspool, jetzt zig Millionen für die Sozialassistenzen, und immer wieder merkt man, es geht halt nicht, weil es einfach falsch berechnet wurde. Schule ist teuer, das ist leider so.
Was auch mit Bremens Sozialstruktur zu tun hat …
… die stark von Armut geprägt ist. Trotzdem gibt es auch Lichtblicke. Man darf nicht vergessen, es gibt in Bremen keine Rütli-Schulen und keine Schulen, wo Zustände herrschen wie jetzt in Ludwigshafen. Das heißt: Nicht alles in Bremen ist schlecht.
Schlecht ist aber, dass viel zu viele Schüler nicht richtig lesen und schreiben können.
Genau. Deshalb muss man diejenigen Schülerinnen und Schüler, die wirklich komplett unter den Basiskompetenzen bleiben, ganz besonders fördern. Denn das sind ja diejenigen, die das Ergebnis so dramatisch machen. Hier gibt es jetzt erste Ansätze.
So richtig überzeugt klingen Sie nicht.
Weil das nicht alles ist. Schule muss solchen Schülern das Gefühl geben, du bist wichtig für diese Welt, du kannst sie mitgestalten. Das hat erst mal nichts mit Basiskompetenzen zu tun, sondern es hat was damit zu tun, dass man denkt, ich bin hier nicht nutzlos. Aber so etwas ändert sich nicht in zwei oder drei Jahren, es dauert länger.
Haben wir so viel Zeit? Muss sich nicht zügig etwas ändern, um die Bildungsmisere in den Griff zu bekommen?
Der Bildungssenator hat Ziele innerhalb seiner Qualitätsoffensive vorgegeben, die schnell und gut prüfbar sind. Deswegen auch die Stärkung des IQHB (Institut für Qualitätsentwicklung im Land Bremen) und die Stärkung der datenbasierten Förderung, die in Schulen passieren soll. Und dagegen ist erst mal per se nichts zu sagen, weil man dann eben ziemlich schnelle Effekte sehen kann. Das soll natürlich zur Entwicklung von verbessertem Unterricht in Schule führen. Aber letztendlich ist das eine relativ kurzfristige Sache, weil man ziemlich schnell Effekte erzielen kann.
Genau das ist doch auch beabsichtigt.
Nehmen wir an: Physik war in der Schule XY schlecht. Also machen wir da jetzt mehr Physikunterricht als vorher oder wenden diese und jene Fördermaßnahme an. Wenn es keinen Effekt hat, dann überlege ich mir das Nächste. Man weiß, ich habe diese Daten, die möchte ich gerne verbessern, also mache ich die Maßnahme und gucke nach, ob es hilft. Das ist von der Denke her relativ einfach. Aber Schule ist ja viel komplizierter, sie baut auf menschlichen Kontakten und Beziehungen auf.
Verstehe ich Sie richtig, Ihnen fehlt eine Vision von Schule, die weiter reicht als bis zum nächsten Bildungsranking?
Wenn wir es ernst meinen mit Chancengleichheit, dann haben wir wie in anderen Ländern auch eine Schule für alle. Wenn man es ernst meint, muss man nach meiner Auffassung an die Struktur ran. Man kann immer sagen, wir brauchen ein Gymnasium, aber ich glaube, dass dieses Gymnasium weiterhin segregiert. Das System dieser zwei Schulformen ist halt einfach schwierig. Gymnasien profitieren auch nicht von dem Vorteil der Oberschulen: mehr Personal, kleinere Klassen, ein Jahr mehr Lernzeit.
Aber der Schulkonsens zementiert doch gerade das zweigliedrige Schulsystem aus Oberschule und Gymnasium.
Das stimmt. Keiner wird das Gymnasium auflösen. Aber man muss schon sagen, eigentlich wäre das die große Konsequenz, die sich aus dem Schulkonsensgutachten ergeben müsste. Im Gutachten zum Schulkonsens ist die Idee zur Gemeinschaftsschule enthalten: Klassen 1 bis 10 an einer Schule oder 1 bis 13 im idealen Fall. Und das ist auch gut so.
Sie meinen, der Schulkonsens hat sich überholt?
Ich weiß, ich bin ziemlich allein mit dieser Meinung. Wenn wir den Schulkonsens betrachten, geht es doch darum, Leistungen zu verbessern und Chancengleichheit zu fördern. Und alle Schulleitungen stehen natürlich auch hinter diesen Zielen. Egal, in welcher Form man sich bewegt. Aber warum kann man nicht trotzdem zusammenarbeiten, ohne dass man diesen Konsens hat?
Der Schulkonsens als Denkverbot?
Es würde zumindest eher Bewegung in diese ganze Diskussion. Es muss doch möglich sein, dass man sagt, wir haben eine Aufgabe, wir brauchen keinen Konsens. Sondern wir arbeiten daran, dass Schule vernünftig funktioniert. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich werde jetzt nicht fordern, das Gymnasium aufzulösen. Aber wenn man Chancengleichheit haben will, dann müssen alle sozialen Milieus miteinander in Kontakt kommen, um sich selber überhaupt einordnen zu können. Deswegen ist das wichtig, dass man sagt, die soziale Durchmischung im Stadtteil muss sich auch so widerspiegeln in der Schule widerspiegeln …
Aber das tut es ja zum Beispiel im Gymnasium Horn. In Horn haben die Menschen mehr Einkommen als in Gröpelingen, und das spiegelt sich in der Schule wider.
Da haben Sie vollkommen recht. Und selbst wenn wir jetzt sagen, wir machen daraus eine Oberschule, würde es immer noch eine weniger große Durchmischung geben. Aber es geht letztendlich um die Durchlässigkeit eines Systems. Bei einer Einheitsschule ist die Durchlässigkeit größer, sie hat keinen elitären Charakter.
Als SLV-Vorsitzender haben Sie keinen Konflikt gescheut. Aber die Arbeit wird nicht einfacher. Wer sich kompetent äußern will, muss sich gründlich mit den einzelnen Themen befassen.
Deshalb wäre es gut, wenn wir breiter aufgestellt wären. Das kann nicht mehr einer alleine machen. Der Plan ist, es gibt ein Geschäftszimmer, und die Arbeit verteilt sich auf mehrere Personen. Auch weil wir deutlich stärker in die Kooperation gehen müssen, man muss einfach auch mitspielen. Darum ist es jetzt ein guter Zeitpunkt zu sagen, vielleicht können das andere machen.
Hat sich denn schon jemand für Ihre Nachfolge beworben?
Wir werden mehrere Personen haben, die Interesse haben, im Vorstand zu arbeiten. Es kann sein, dass sich keiner für den Vorsitz findet. Dann würde ich wohl erst mal als geschäftsführender Vorsitzender weitermachen. Aber dann machen wir im November oder im Dezember noch einmal eine Vorstandssitzung und wählen den ersten Vorsitzenden nach. Das gibt die Satzung her.
Das Gespräch führte Frank Hethey.
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