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27.08.2026 Читать источник
В Австралии подозреваемый в военных преступлениях экс-солдат стал иконой правых

Бывший элитный солдат Бен Робертс-Смит, арестованный по обвинению в военных преступлениях в Афганистане, превратился в лидера для сторонников праворадикальной партии One Nation. Несмотря на судебное разбирательство, социологические опросы показывают, что его поддержка среди избирателей этой партии значительно превышает популярность действующих политиков.
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Ben Roberts-Smith: Mutmaßlicher Kriegsverbrecher wird Ikone der Rechten
Ben Roberts-Smith ist in Australien jedem ein Begriff. Der ehemalige Elitesoldat galt in seinem Heimatland als Kriegsheld. Nach wie vor werden Medaillen und seine Uniform im Australian War Memorial in Canberra ausgestellt. Doch im April wurde der 47-Jährige dann am Flughafen in Sydney von der Polizei festgenommen. Seitdem lasten fünf Anklagepunkte wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in Afghanistan auf ihm, im schlimmsten Fall droht ihm lebenslange Haft. Doch während die Justiz gegen ihn ermittelt, kürt ihn eine aktuelle Umfrage zur beliebtesten Persönlichkeit unter den Anhängern der rechtspopulistischen Partei One Nation – gleich nach Parteichefin Pauline Hanson und vor allen anderen lebenden Berufspolitikern des Landes.
Die Zahlen, die Bruce Hawker und John Utting im Auftrag der regierungsnahen Denkfabrik TJ Ryan erhoben haben, zeigen: Hanson kommt auf 95 Prozent Zustimmung, Roberts-Smith auf knapp 70 Prozent – mehr als doppelt so viel wie der liberal-konservative Oppositionsführer Angus Taylor. Ein Mann ohne politisches Amt, dessen Zivilprozess gegen drei Tageszeitungen 2023 mit der Feststellung endete, die Vorwürfe gegen ihn träfen „mit überwiegender Wahrscheinlichkeit“ zu, rangiert damit vor jedem gewählten Vertreter der bürgerlichen Rechten.
Schwere Anschuldigungen
Die Vorwürfe gegen den ehemaligen Soldaten sind schwerwiegend: Roberts-Smith soll 2009 auf dem Taliban-Gelände „Whiskey 108“ einen bereits gefangenen, unbewaffneten Mann getötet und die Tötung eines zweiten Gefangenen als eine Art Initiationsritual befohlen haben. 2011 soll er im Dorf Darwan den gefesselten Bauern Ali Jan von einer zehn Meter hohen Klippe heruntergestoßen und danach dessen Erschießung angeordnet haben.
Töten war für sie ein Sport.
Samantha Crompvoets,;Militärsoziologin
Zum Mord am Gelände „Whiskey 108“ stellten die Bundesrichter im Berufungsurteil des Zivilprozesses 2025 fest: „Anders als bei den meisten Morden gab es hier drei Augenzeugen.“ Der Fall fügt sich in den Kontext des Brereton-Berichts aus dem Jahr 2020 ein: Dieser warf australischen Elitesoldaten nach vierjähriger Ermittlung die mutmaßliche Tötung von 39 Zivilisten und Kriegsgefangenen zwischen 2005 und 2016 vor. Die Militärsoziologin Samantha Crompvoets, deren Analyse zum Brereton-Bericht führte, beschrieb die Kultur bestimmter Einheiten in einem Interview mit den Worten: „Töten war für sie ein Sport.“ Roberts-Smith ist nun einer der Ersten, die sich vor Gericht verantworten müssen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Bild traditioneller, harter Männlichkeit
Noch bevor der Prozess überhaupt begonnen hat, zeichnet sich ab, dass Roberts-Smith trotz aller Vorwürfe gegen ihn bei Teilen der australischen Rechten immer mehr zur Leitfigur wird. Wer seine Unterstützer sind, dies offenbart das demografische Profil der One-Nation-Wähler: vorwiegend angloaustralische Männer jenseits der 50, mit handwerklicher Ausbildung, die ihre Arbeit lieber mit den Händen verrichten als hinter einem Schreibtisch. „Es sagt viel über die Einstellung der Menschen aus, die One Nation wählen“, wird der Forscher Hawker beim „Sydney Morning Herald“ zitiert, der zuerst über die Umfrageergebnisse berichtete. In Roberts-Smith, dem früheren Unteroffizier der Special Air Service Regiment, würden viele eine Verkörperung traditioneller, robuster Männlichkeit wiedererkennen, heißt es bei der australischen Tageszeitung: gewissenhaft, patriotisch, im Kampf gegen einen ausländischen Gegner – und nun, so ihre Sicht, von Eliten verfolgt, denen sie grundsätzlich wenig Vertrauen entgegenbringen.
Diese Wahrnehmung beschränkt sich dabei nicht rein auf Anhänger der rechtspopulistischen Partei. Auch der frühere liberal-konservative Premierminister Tony Abbott äußerte sich auf der Plattform X in ähnlicher Weise und meinte, es sei unangebracht, Soldaten im Einsatz an zivilen Maßstäben zu messen: „Es gibt natürlich Regeln, die eingehalten und durchgesetzt werden müssen, auch gegenüber Soldaten während eines Krieges. Trotzdem wäre es falsch, das Verhalten von Menschen in lebensbedrohlichen Situationen mit dem Maßstab des normalen zivilen Alltags zu bewerten.“ Gleichzeitig bemängelte er die sich über Jahre hinziehende Verzögerung seit dem Start der Brereton-Untersuchung 2016 mit den Worten: „Aufgeschobene Gerechtigkeit ist verweigerte Gerechtigkeit.“ Daneben stellte er die Frage, wieso Vorgesetzte eine mögliche Kultur der Brutalität gegenüber Gefangenen nicht schon früher bemerkt hatten.
„Es wird ein ganzes System vor Gericht stehen“
Der Fernsehjournalist Hugh Riminton machte in einem Post auf X darauf aufmerksam, welche Konsequenzen die Umfrageergebnisse für das anstehende strafrechtliche Verfahren haben könnten: Mit etwa 70 Prozent Zustimmung unter One-Nation-Anhängern und einem geschätzten Wähleranteil der Partei von aktuell rund 30 Prozent würden bereits vor dem ersten Zeugenbericht ungefähr 20 Prozent eines möglichen Geschworenenpools dem Angeklagten positiv gegenüberstehen, schrieb er: „Es wird nicht nur ein Mann, sondern ein ganzes System vor Gericht stehen.“ Hinzu kommt, dass acht von zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern der TJ Ryan-Umfrage zustimmten, dass Australien einen starken Anführer brauche, der gewillt sei, Regeln zu brechen.
Damit könnte der Fall noch weitere politische Auswirkungen haben: Beispielsweise könnte es laut „Sydney Morning Herald“ für die Liberale Partei nun deutlich schwieriger werden, den teils umstrittenen Parteivorsitzenden Angus Taylor durch den ehemaligen Spezialkräfte-Hauptmann Andrew Hastie zu ersetzen, da dieser als Zeuge gegen Roberts-Smith aussagte. Falls Roberts-Smith freigesprochen werden sollte, halten politische Beobachter sogar eine künftige politische Karriere für ihn nicht für ausgeschlossen.
Von Barbara Barkhausen
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