Немецкий Религия
06.07.2026 Читать источник
Гонги евангелической церкви в Бад-Тёльце отмечают столетие истории
Три колокола церкви Иоанна в Бад-Тёльце отпраздновали свой 100-й юбилей, ознаменовав век служения общине и преодоление исторических трудностей. Церковь, основанная в 1842 году, сегодня объединяет около 2000 прихожан и предлагает программы для всех возрастов.
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Bad Tölz: Glocken der Johanneskirche feiern 100 Jahre Geschichte
Uns auf Google folgenDie drei Glocken der evangelischen Johanneskirche in Bad Tölz feiern ihr 100-jähriges Bestehen. Pfarrer Johannes Schultheiß erinnert nicht nur an ihre bewegte Geschichte, sondern auch an die Entwicklung der evangelischen Gemeinde.
Bad Tölz – Der ökumenische Gedanke, der die Grenzen zwischen den christlichen Konfessionen überwinden will, zeigt sich bisweilen ganz praktisch. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür bot sich im November 1945 in Bad Tölz: Nahezu alle Kirchenglocken waren damals der Kriegswirtschaft zum Opfer gefallen. Das NS-Regime hatte sie für die Rüstungsindustrie einschmelzen lassen. Als nach Kriegsende die erste, traditionell katholisch geprägte Leonhardifahrt wieder stattfand, erklangen auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt die Glocken der evangelischen Johanneskirche, die verschont geblieben waren. „Eine wunderschöne Geste“, sagt Gemeindepfarrer Johannes Schultheiß.
Heute muss niemand mehr an Seilen ziehen
Seit nunmehr einem Jahrhundert rufen die drei Glocken die Gläubigen zum Gottesdienst. Heute geschieht ihr Läuten ganz komfortabel: Niemand muss mehr an Seilen ziehen, um das schwere Geläut in Schwingung zu versetzen. Ein Knopfdruck genügt, um im Turm des Gotteshauses eine mechanische Anlage in Gang zu setzen. Das besondere Jubiläum wurde kürzlich im Rahmen eines Gemeindefests gebührend gefeiert. Dabei bot sich den Besuchern eine seltene Gelegenheit: Sie konnten die Glocken aus nächster Nähe besichtigen und dabei viel Wissenswertes über ihre Geschichte erfahren.
Einer Gravur zufolge wurden die Glocken 1926 vom „Bochumer Verein“, einem Montankonzern mit Sitz in Bochum, gegossen. Am 5. Mai desselben Jahres wurden sie feierlich geweiht. Der Tölzer Kurier berichtete damals von einem Festzug mit geschmückten Wägen, der sich durch die Straßen zur Kirche bewegte, sowie von einer großen Menschenmenge, die das Ereignis verfolgte.
Die drei Klangkörper in den Tonlagen A, G und E tragen auf der einen Seite religiöse Inschriften zu den Themen Buße, Freiheit und Liebe. Auf der anderen Seite sind die Namen ihrer Stifter verewigt: Lydia Burgstaller, Erich Gärtner sowie Helmuth und Ada von Tiedemann. Mehr ist über die Spender nicht bekannt. Möglicherweise handelte es sich um wohlhabende Kurgäste.
Bis heute ist auch ungeklärt, wie die Glocken einst in den Turm gelangten und dort montiert wurden. Die schmale Treppe und die Fensteröffnungen sind dafür jedenfalls zu klein. Eine mögliche Erklärung lautet, dass der Glockenturm erst nach dem Einbringen um das Geläut herum errichtet wurde.
Das Jubiläum erzählt deshalb nicht nur die Geschichte dreier Glocken, sondern auch die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Bad Tölz. „So jung sind wir gar nicht“, sagt Pfarrer Schultheiß schmunzelnd. Der erste evangelische Bürger im Ort war ein Schreiner aus Kärnten, der sich 1842 hier niederließ. Das geht aus einer Broschüre des Pfarramts zur Geschichte der Johanneskirche hervor. Weitere Glaubensgenossen folgten. Die Gläubigen kannten sich, hielten zusammen und feierten ihre Gottesdienste zunächst in einem Privathaus. Der Pfarrer reiste eigens aus München an.
Mit den Jahren nahm die Zahl der Gemeindemitglieder zu – nicht zuletzt, weil immer mehr Sommerfrischler und Kurgäste den aufstrebenden Kurort besuchten. 1880 entstand schließlich an der Schützenstraße ein kleines Bethaus, der Vorläufer der heutigen Johanneskirche. Es war das erste evangelische Gotteshaus im Oberland. Schon bald reichte der Platz jedoch nicht mehr aus. Bei einer ersten Erweiterung wurde die Kirche unter anderem um eine Sakristei ergänzt.
Gemeinde hat rund 2000 Mitglieder
Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte der Kurbetrieb einen neuen Aufschwung, wodurch die Gemeinschaft weiter wuchs. Deshalb wurde die Kirche bis 1926 ein zweites Mal grundlegend umgebaut und erhielt dabei ihr heutiges Erscheinungsbild. Zwei Seitenschiffe und eine größere Apsis kamen hinzu, die Grundfläche verdoppelte sich. Außerdem entstand der neue Kirchturm mit den besagten drei Glocken.
Auch künstlerisch hat die Johanneskirche Besonderes zu bieten. Das Altarbild „Kreuzigung“ stammt von Lovis Corinth (1858 bis 1925), einem der bedeutendsten Vertreter des deutschen Impressionismus, der am Walchensee einen Rückzugsort fand. Ins Auge fällt auch die künstlerische Deckengestaltung von Hubert Distler (1919 bis 2004), die den hellen Kirchenraum prägt.
Heute zählt die evangelische Kirchengemeinde in Bad Tölz rund 2000 Mitglieder, im Umland kommen weitere etwa 1000 hinzu. „Wir sind eine sehr offene Kirchengemeinde“, sagt Schultheiß. Und auch eine lebendige: Das Angebot richtet sich an alle Generationen – vom Gottesdienst für Krabbelkinder über das Zeltlager für Jugendliche bis zum Seniorenkreis.
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