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08.09.2026 Читать источник
Анаисио Гедеш: бразильский торговец антиквариатом впервые появится во французской версии шоу «Bares für Rares»

50-летний галерист из Гамбурга станет первым участником, который одновременно работает в двух странах, где формат вещается на иностранных для него языках. Его появление в французском эфире канала France 2 9 сентября реализует давнюю мечту о карьере в парижском телевидении.
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Hamburger „Bares für Rares“-Händler: Jugendtraum erfüllt sich
Anaisio Guedes kennen viele Fernsehzuschauer als Händler aus der ZDF-Erfolgssendung „Bares für Rares“ mit Horst Lichter. In Hamburg betreibt der 50-jährige Brasilianer am Flughafen die einzige Airport-Kunstgalerie Europas. Jetzt kommt für den Galeristen der nächste große Schritt: Am 9. September ist Guedes erstmals auch in der französischen Ausgabe des Formats zu sehen. Für ihn erfüllt sich damit ein Traum, den er schon als 19-Jähriger hatte.
In Frankreich heißt die Sendung „Affaire conclue“ und läuft bei France 2. Guedes sitzt dort künftig ebenso am Händlertisch wie bei „Bares für Rares“ im ZDF. Auch andere Händler waren bereits in zwei Landesausgaben des Formats aktiv: Wolfgang Pauritsch etwa in Deutschland und Österreich, der gebürtige Tscheche Jan Čížek in Deutschland und Tschechien. Guedes aber ist der einzige Händler, der gleichzeitig in zwei Ländern mitmacht, deren Sendungssprachen für ihn beide Fremdsprachen sind: Deutsch und Französisch.
Dass ausgerechnet Frankreich für ihn eine besondere Bedeutung hat, hat mit seiner Lebensgeschichte zu tun. „Als ich 19 Jahre alt war, war es mein Traum, in Paris ins Fernsehen zu kommen“, erzählt Guedes. Damals lebt er noch in Brasilien, will Schauspieler werden und kann nicht ahnen, welchen Weg sein Leben nehmen wird.
Vom Regenwald in den Slum von São Paulo
Guedes wird 1975 im Norden Brasiliens geboren. Als er eineinhalb Jahre alt ist, vernichtet eine Heuschreckenplage die Ernte seines Vaters. Die Familie zieht daraufhin in den Regenwald, wo ein Onkel eine Plantage betreibt. Anaisio wächst dort in einfachen Verhältnissen auf, die Familie lebt zu fünft in einer kleinen Hütte ohne Strom und fließendes Wasser. Schon als Kind arbeitet er auf Zuckerrohrplantagen, geht fischen und jagen.
Als Guedes elf Jahre alt ist, wird sein Onkel bei einem Streit erschossen. Sein Vater soll den Tod des Bruders rächen, weigert sich jedoch. Die Familie flieht nach São Paulo und landet dort in einem Slum. Zeitweise leben alle fünf in einer Garage. Weil sein Vater keine Arbeit hat, muss Anaisio mitverdienen. Er packt in einem Supermarkt Einkäufe ein und verkauft auf der Straße Waren. Besonders erfolgreich ist er mit Schokolade, die er in einer Metrostation an Passanten verkauft.
Eine reguläre Schulbildung hat Guedes kaum. Bis ins Jugendalter kann er nicht richtig lesen und schreiben und bringt es sich schließlich selbst bei. Gleichzeitig träumt er von einem anderen Leben. Er will Schauspieler werden, bewirbt sich an einer Schauspielschule in São Paulo und wird aufgenommen. Es folgen Werbespots, darunter nach seinen Angaben auch ein Dreh mit Formel-1-Star Ayrton Senna.
Mit 19 Jahren verlässt Guedes Brasilien. Sein Ziel ist Europa, im Kopf hat er Paris, wo er als Schauspieler arbeiten möchte. Zunächst landet er allerdings in Brüssel. Dort arbeitet er in einer Jugendherberge als Barkeeper und lernt eine junge Frau aus Hamburg kennen. 1997 folgt er ihr in die Hansestadt.
Vom Straßenverkäufer zum Hamburger Galeristen
In Hamburg holt Guedes das Abitur nach, macht eine kaufmännische Ausbildung und studiert Betriebswirtschaft. Später entdeckt er den Kunsthandel für sich und macht sich 2014 als Galerist selbstständig. Zunächst betreibt er seine Galerie in Eppendorf, dann erfährt er von einem freien Ladenlokal am Hamburger Flughafen und zieht ins Terminal 2.
„Dass ich hierhin gegangen bin, war die beste Entscheidung meines Lebens“, sagt Guedes der MOPO. Schon im ersten Monat habe er dort so viel Umsatz gemacht wie zuvor in einem ganzen Jahr in Eppendorf. Heute verkauft er Werke bekannter Künstler und arbeitet zugleich mit Künstlern, die er selbst entdeckt und aufgebaut hat.
Einen Traum aber gibt Guedes trotz seines Erfolgs nie auf: vor die Kamera zu kommen.
So kommt Guedes zu „Bares für Rares“
Also wartet er nicht darauf, entdeckt zu werden, sondern bewirbt sich selbst bei „Bares für Rares“. „Ich habe einfach eine Bewerbungsmail ans ZDF geschrieben, genau an die Mailadresse, die auch diejenigen verwenden, die ihre Schätzchen verkaufen wollen“, erzählt er der MOPO. Rund ein Jahr dauert es nach seinen Angaben, bis alles geklärt ist. Im Juni 2024 sitzt Guedes schließlich erstmals als Händler in der ZDF-Sendung mit Horst Lichter.
Doch zu diesem Zeitpunkt hat er längst den nächsten Plan. „Ich habe mir schon damals, als ich bei Horst Lichter anfing, vorgenommen, dass ich mich nach zwei Jahren auch für die französische Sendung bewerbe“, sagt Guedes. Er bewirbt sich bei „Affaire conclue“ – und wird genommen.
„Bares für Rares“ gibt es inzwischen in elf Ländern
Das ursprünglich deutsche Format – seit Jahren die mit Abstand erfolgreichste Produktion des ZDF überhaupt – ist längst auch international gefragt. Der Rechteinhaber Warner Bros. International Television Production vermarktet das Konzept unter dem Titel „Cash or Trash“. Inzwischen wird es in elf Ländern produziert – unter anderem in Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Griechenland und sogar Marokko.
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„Affaire conclue“ läuft seit 2017 bei France 2 und gehört dort zu den erfolgreichen Nachmittagsformaten. Moderiert wird die Sendung seit 2023 von Julia Vignali, die zuvor unter anderem das Frühstücksfernsehen „Télématin“ und die Backshow „Le Meilleur Pâtissier“ präsentiert. Das Prinzip ist ähnlich wie beim deutschen Original: Privatleute bringen Kunst, Antiquitäten und Kuriositäten mit, Experten schätzen den Wert, anschließend bieten Händler um die Stücke.
Für Guedes schließt sich damit ein Kreis. Einst hatte er Brasilien mit dem Wunsch verlassen, eines Tages in Paris vor einer Fernsehkamera zu stehen. Mehr als drei Jahrzehnte später hat er es geschafft – zwar nicht als Schauspieler, wie er damals dachte, sondern als Kunsthändler. „Es hat geklappt“, sagt Guedes. „Ich bin überglücklich.“
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